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Jeder kennt sie, kaum jemand mag sie
Wer an Selbstdarsteller denkt, denkt zunächst vielleicht an Talentshow-Kandidatinnen oder -Kandidaten, die vornehmlich durch eine große Klappe und ein offensiv zur Schau getragenes künstlerisches Unvermögen auffallen.
Doch nicht jeder Selbstdarsteller ist bloß aufdringlich und nervig – Selbstdarsteller gibt es auf nahezu jeder Stilebene. So kann auch der stets adrett gekleidete, kommunikationsfreudige angehende Banklehrling oder die fein herausgeputzte künftige PTA sich schnell als Angehöriger der Kaste gehobener Selbstdarsteller outen – als jemand, der gern und viel über sich selbst redet, ohne anderen jemals zuzuhören. Ausbilder, Kollegen und Vorgesetzte reagieren auf beide Vertreter des Selbstdarsteller-Prinzips allergisch – und zwar oft genug schon beim Vorstellungsgespräch oder während der Probezeit. Zum Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag kommt es dann gar nicht erst.
Der Selbstdarsteller freilich kann die Ablehnung nicht verstehen, gibt er doch sein Allerbestes – nämlich sich selbst. Auf die Idee, dass andere ihn nicht für das Beste halten könnten, kommt er gar nicht erst. Zwischen sich und der Umwelt hat der Selbstdarsteller nämlich mit seinem Mega-Ego eine hohe Barriere errichtet, die verhindert, dass er hilfreiche oder alarmierende Außensignale überhaupt empfangen kann. Deshalb ist es auch nahezu aussichtslos, Selbstdarsteller dazu zu bringen, über sich selbst nachzudenken.

