Mädchen mit Lippenpiercing

Au Backe: Wenn Piercings daneben gehen

Mehr als 2500 Piercings, davon 192 im Gesicht, schmücken den Körper von Elaine Davidson, die als meist gepiercte Frau der Welt im Guiness-Buch der Rekorde geführt wird. Es gibt wahrlich Rekorde, die man nicht brechen muss!

In vielen Kulturen hat das Durchstechen besonders von Ohrläppchen und Lippen eine jahrhundertealte Tradition: Die Totenmaske des Tutanchamun zeigt ihn mit geweiteten Ohrläppchen, bekannt sind auch die Bilder afrikanischer Frauen mit Tellerlippen (hierbei handelt es sich um ein weit gedehntes Piercing) und viele indische Frauen tragen ein Piercing im Nasenflügel. Aber nicht alles, was eine lange Tradition hat, ist deshalb schon zur Nachahmung zu empfehlen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Man muss bei der Wahl des Piercingstudios sehr sorgfältig vorgehen. Es gibt neben Piercingstudios auch Arztpraxen, die Piercing als besondere Leistung anbieten. Piercer ist kein eingetragener Beruf und daher gibt es auch keine staatlich anerkannte Ausbildung.  Jeder über Achtzehnjährige darf ein Gewerbe in diesem Bereich anmelden und betreiben. Vorhandene Piercingstudios und Privatschulen bieten Ausbildungskurse an und verleihen Zertifikate, ein solches Zertifikat ist jedoch keine absolute Garantie für professionelles Arbeiten, ebenso wenig die Mitgliedschaft im OPP (Organisation Professioneller Piercer e.V.).

Rechtlich gesehen ist Piercing in Deutschland eine strafbare Körperverletzung, deshalb ist es unter 18 Jahren nur mit schriftlicher Einwilligung der Eltern erlaubt. Wenn trotz aller Gefahren die Entscheidung für ein Piercing gefallen ist, sollte das Piercingstudio zunächst genau in Augenschein genommen werden. Drei Aspekte sollten bei der Wahl im Vordergrund stehen: Sind einem die Person, die das Piercing sticht, und das Ambiente sympathisch? Ist die Beratung umfassend? Und das Wichtigste: Entspricht das Studio höchsten hygienischen Anforderungen?

Die Beratung sollte Fragen zum gewünschten Piercing und verwendeten Schmuck berücksichtigen. Außerdem muss der Piercer nachfragen, ob Allergien gegen die in Frage kommenden Materialien bestehen. Sehr gute hygienische Bedingungen sind Grundvoraussetzung dafür, dass ein Piercing ohne Komplikationen durchgeführt werden kann. Das Stechen muss in einem separaten Raum durchgeführt werden, der ähnlich den Räumen in einer Arztpraxis aussehen sollte und keine Teppiche, herumliegende Nahrungsreste, Pflanzen oder Tiere beherbergen darf. Das Personal muss vor dem Piercen die Hände gründlich desinfizieren und beim Stechen Einmalhandschuhe tragen.

Das Stechen sollte nicht im Stehen durchgeführt werden. Die Hilfsmittel müssen steril sein, gestochen wird immer mit einer Einwegnadel. Die Beratung sollte auf jeden Fall Tipps zur Pflege und Reinigung des Piercings enthalten. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kommt es immer wieder zu späteren Komplikationen, manchmal stößt der Körper das Piercing auch einfach ab. In solchen Fällen muss unbedingt eine Arztpraxis aufgesucht werden. Immer noch Lust auf ein Piercing?

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