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Es wird gepierct, was das Zeug hält – oder eben auch nicht hält
In westlichen Kulturen war lange Zeit lediglich das Durchstechen der Ohrläppchen bei Frauen weit verbreitet. Zusätzliche Ohr- und auch Körperpiercings waren noch zu Beginn der 1990er Jahre eher ein Merkmal der Punk- und auch der SM-Szene. Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre jedoch sind Piercings besonders unter Jugendlichen aller gesellschaftlichen Schichten weit verbreitet. Beliebt sind Augenbrauen-, Zungen- und Bauchnabelpiercings, doch auch Ohrmuschel, Nasenflügel oder Nasenscheidewand werden häufig durchstochen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Varianten des Intimpiercings für Frauen und Männer. Piercingschmuck kann aus verschiedenen Materialien gefertigt sein: Während für den Ersteinsatz nur gesetzlich vorgeschriebene Materialien verwendet werden dürfen, die nur wenig Nickel freisetzen, kann nach dem vollständigen Abheilen der Wunde Schmuck aus Titan, Bronze, Silber, Gold, Glas, Teflon oder Acryl eingesetzt werden. Außerdem gibt es Piercingschmuck aus Naturmaterialien wie Holz, Horn, Knochen und Bernstein. Eine Nickelallergie ist aber wahrscheinlich noch die geringste Gefahr, die ein Piercing mit sich bringt.
Piercings im Ohrknorpel heilen schlecht und entzünden sich leicht. Beim Durchstechen der Augenbrauen oder Nasenflügel kann leicht der Trigeminusnerv verletzt werden. Bei Piercings im Dammbereich kommt es durch längeres Sitzen häufig zu dauerhaften Entzündungen, ebenso beim Bauchnabelpiercing durch ständige Reibung am Hosenbund. Ein Intimpiercing vergrößert die Gefahr, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken wie Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV. Darüber hinaus besteht bei allen Piercings die Gefahr von Erfrierungen bei Temperaturen von unter 10 C.
Auch die recht beliebten Piercings im Mundbereich bergen zahlreiche Gefahren: An der Einstichstelle kommt es leicht zu Entzündungen, Blutgefäße und Nerven können dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen werden. Ebenso sind Störungen beim Kauen oder Sprechen nicht selten. Durch den permanenten Druck des Piercingschmucks können sich Risse im Zahnschmelz bilden. Wenn dann noch das Zahnmark abstirbt, ist ein Zahnverlust nicht mehr zu vermeiden. Die größte Gefahr jedoch geht immer noch von mangelnder Hygiene beim Stechen selbst aus.

