Grenzen virtueller Freundschaft

junge Frau mit LaptopVirtuelle Freundschaften nehmen zu: Man lernt über gemeinsame Interessen Leute im Netz kennen, tauscht sich oft über Monate oder Jahre mit ihnen aus – und kennt sie doch nicht wirklich. Denn virtuelle Freundschaften mögen kurzweilig, spannend oder unterhaltsam sein, doch ein Ersatz für das echte Leben sind sie nicht.

 

Keine allzu hohen Erwartungen haben

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte: Wer einem anderen Menschen erstmals begegnet und in die Augen schaut, weiß in der Regel, woran er ist. Innerhalb weniger Sekunden können wir im anderen gleichsam lesen wie in einem offenen Buch, ihn dechiffrieren. Folglich fällt die Entscheidung über Sympathie oder Antipathie sehr rasch. Ob diese erste Entscheidung richtig war, erweist sich, wenn man einige Zeit miteinander verbracht hat. Hinzu kommen andere Sinneseindrücke: Geruch wie Klang der Stimme, Körpergefühl beim begrüßenden Händeschütteln oder einer Umarmung. All diese Erfahrungen sind beim virtuellen Kennenlernen nicht möglich. Wo sie dank Webcam z. B. doch möglich erscheinen, wird der Blick in die Augen technisch vermittelt, findet also nicht direkt statt. Auch sollte man immer im Sinn behalten, dass das Internet keineswegs nur ein tolles, weltoffenes Kommunikationsmedium ist, sondern auch Täuschung, Arglist und Betrug begünstigt. Wenn Sie also Menschen in Foren kennenlernen, schützen Sie sich selbst bitte unbedingt vor hohen Erwartungen. Solange Sie dem anderen Menschen nicht vis-à-vis gegenüberstehen, wissen Sie über ihn nur das, was er selbst von sich preisgibt.

Vorsicht bei der Weitergabe von Informationen

Junger Mann mit Laptop auf einer WieseViele Menschen sind erstaunlich leichtsinnig mit dem, was sie im Netz andere über sich wissen lassen. Gehören Sie auch dazu? Dann fragen Sie sich bitte, bevor Sie das nächste Mal Dinge von sich preisgeben, ob Sie diese Informationen auch via Megaphon auf dem Marktplatz ihres Wohnortes  mitteilen würden. Das Internet ist keineswegs ein geschützter Raum – auch wenn manche Foren so tun, als böten sie Schutz. Doch selbst wenn dem so wäre, bliebe immer noch das de facto unbekannte Gegenüber. Wohnt er wirklich wie behauptet 500 km entfernt oder aber ganz in Ihrer Nähe? Wissen Sie wirklich ganz genau, was ihr virtueller Freund oder Ihre virtuelle Freundin mit den Informationen über Sie anfängt? Ist es wirklich ein Freund oder eine Freundin oder doch nur ein kommerzieller  Informationssammler? Oder am Ende gar jemand, der Ihnen Übles will? Wenn Ihnen der Kontakt wichtig erscheint und es irgendwie möglich ist, versuchen Sie doch, ein reales Treffen zu arrangieren. Doch auch hier sollten Sie vorsichtig sein und einen Treffpunkt auf neutralem Terrain irgendwo in der Öffentlichkeit wählen. Denn auch bei der ersten realen Kontaktaufnahme könnte die berühmte Viersekundenentscheidung sich unter dem Eindruck des virtuellen Austausches (man scheint sich ja bereits zu kennen) als trügerisch erweisen.

Virtuelle Pflege bestehender Freundschaften

Etwas anders sieht es aus, wenn Sie jemanden bereits aus dem realen Leben kennen und das Medium Internet lediglich zur Kontaktpflege nutzen. Allerdings werden auch hier E-Mails das reale Miteinander auf Dauer nicht ersetzen können. Aufpassen sollten Sie dennoch, weil elektronische Medien mehr als ein handgeschriebener Brief oder ein Telefongespräch dazu verführen, mal eben ein paar Sätze zu tippen, die man hinterher bereuen könnte. Freundschaft braucht eben Zeit. Und die sollten Sie sich immer nehmen – ob bei neuen Kontakten oder beim Aufrechterhalten von Sandkastenfreundschaften.

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