Warum tut Untreue so weh?
Eigentlich leben wir doch in einer Zeit, in der der Spaßfaktor als Maß aller Dinge gilt: Hab Spaß, entfalte dich und tu, was dir gefällt. Was aber, wenn der Spaß gewisse Grenzen überschreitet? Kommt es in einer Beziehung zu sexueller Untreue, hört der Spaß bekanntlich schnell auf. Jedenfalls beim Betrogenen. Denn Untreue tut weh.
Nicht der biologische Aspekt schmerzt
Geht Partner oder Partnerin fremd, zerbricht etwas im Betrogenen. Dabei ist es oft nicht entscheidend, ob es beim Flirt geblieben oder zum Geschlechtsverkehr gekommen ist – wo exakt die Grenze überschritten wird, ist immer Sache des persönlichen Empfindens. Doch was ist es genau, was da weh tut? Rein rational betrachtet ist selbst der Geschlechtsverkehr als rein mechanische Angelegenheit deutbar – und unter Umständen weit weniger intim als ein inniger Gedankenaustausch. Auf der anderen Seite bricht sich auch in einer mit Blick auf das Sexuelle fast schmerzfrei gewordenen Gesellschaft die Erkenntnis Bahn, das Sex ohne Gefühle eher der Ausnahmefall sein dürfte. Und genau auf die Gefühle kommt es an – es ist nicht nur der biologische Akt des Fremdgehens, sondern der seelische Akt des Fremdfühlens, der beim Betrogenen Schmerzen auslöst. Denn seelisches Empfinden begründet Partnerschaft – und macht sie so verletzbar.
Betrogen sein um was?
Wer betrogen wurde, verspürt ein Gefühl der Ohnmacht wie nach einem Raub. Doch was wurde einem wirklich geraubt? Küsse? Die entgangene Zeit körperlicher Nähe? Oder eher die entgangene Zeit seelischer Gemeinsamkeit? Klingt komisch – denn gerade die Zeit tiefster seelischer Gemeinsamkeit lässt sich kaum mit der Uhr messen, sie ist meist nur Sache eines Augenblicks, wirkt aber über lange Zeit nach. Manchmal sogar endlos. Kann man überhaupt sagen, warum die erlebte Untreue so schmerzt? Das Schmerzgefühl lässt sich kaum rational packen. Oft heißt es dann: „Und ich hab alles geopfert, um nur für dich da zu sein!“ – das klingt rational, ist es aber nicht. Denn Liebe ist kein Kuhhandel. Wie man die Sache auch drehen und wenden und wie viele Ratgeber man auch konsultieren mag: Wer betrogen wurde, hat nur die Wahl zu verzeihen – oder zu gehen. Der Schmerz wird in beiden Fällen irgendwann nachlassen.
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