Total abgefahren: Rhönradturnen

Gruppe junger Menschen mit Rhönrad„Ich bin doch nicht bescheuert und laufe in so einem Hamsterrad herum!“ – „Das ist doch allenfalls etwas für den Zirkus!“ – „Rhönrad, hört sich irgendwie spießig und wie von vorgestern an“. Das Rhönrad wurde zwar tatsächlich schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfunden, ist sicherlich auch mal im Zirkus zu sehen und mag auf den ersten Blick einem Hamsterrad ähneln; es ist aber ein durchaus modernes Sportgerät, eine echte Herausforderung und es bietet die Möglichkeit, eine ganz andere Dimension des Raumes zu erfahren.

Ein außergewöhnliches Sportgerät mit zahlreichen Möglichkeiten

Das Rhönrad ist ein ziemlich imposantes Sportgerät: Es besteht aus zwei Reifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden sind. Zwei davon sind Brettsprossen mit Ledergurten, auf denen die Füße Halt finden, zwei sind mit zusätzlichen Griffen für die Hände versehen. Die Räder haben einen Durchmesser von 130 cm bis 245 cm und wiegen bis zu 60 kg. Das Rhönrad ist eine deutsche Erfindung: Otto Feick hat es 1925 in der bayerischen Rhön zum Patent angemeldet, seit 1926 ist die Bezeichnung „Rhönrad“ eingetragen und geschützt. Heute unterscheidet man drei Disziplinen im Rhönradturnen: das Geradeturnen, das Spiraleturnen und den Sprung. Geradeturnen umfasst das Turnen innerhalb des rollenden Rades wie das Wechseln der Sprossen, Spagat und andere Figuren  und auch das Turnen aus dem Rad heraus oder wieder hinein. Dabei setzt man sich z. B. auf das Rad, macht einen Überschlag ins Innere des Rades oder springt hinaus und wieder hinein. Wird das Turnen zu Musik absolviert, ist dieses besonders für die Zuschauer ein beeindruckendes Erlebnis. Beim Spiraleturnen kreist das Rad auf nur einem Reifen wie beim „Tellern“ einer Münze, der Turner hält das Rad durch Körperverlagerung in Bewegung, turnt verschiedene Übungen und bringt das Rad wieder in den Stand. Für den Sprung rollt der Turner das Rad von sich weg, läuft hinterher, springt auf und springt z. B. mit einem Überschlag oder Salto wieder ab. In den verschiedenen Disziplinen werden auch Wettkämpfe abgehalten. Und, angesichts der Fülle der Möglichkeiten schon den Mut verloren oder erst richtig neugierig geworden? Etliche Sportvereine bieten Kurse an, auch im Rahmen des Hochschulsports gibt es Angebote, denn eins steht fest: Ohne einen zuverlässigen Trainer geht erst mal gar nichts und ein Rhönrad hat man ja nicht einfach zu Hause.

Aller Anfang ist leicht

Mädchen auf RhönradIst das passende Rad ausgewählt, gilt es zunächst, ein Gefühl für das Rad zu entwickeln. Man nimmt die Grundstellung ein und rollt vorsichtig hin und her. Das fühlt sich gut an und so ist der nächste Schritt schon fast gemacht: Der Trainer rollt das Rad einmal herum. Ein tolles Gefühl – und der befürchtete Schwindelanfall ist ausgeblieben! Das macht ja richtig Spaß. Nach und nach werden mutig neue Übungen angegangen, immer unter Aufsicht, damit das Rad nicht zu schnell läuft. Erstaunlich, was der eigene Körper alles kann. Das hätte sich so mancher vielleicht gar nicht zugetraut. Gleichgewicht, Koordination und Körperspannung werden geschult, Ängste überwunden. Der ganze Körper ist gefordert, die gesamte Muskulatur arbeitet und besonders der Rücken wird gestärkt. Auch die turnerische Umsetzung von Musik macht den besonderen Reiz des Rhönradturnens aus. Kraft und Ästhetik verbinden sich. Und das gewonnene Selbstvertrauen kann in allen Lebenslagen hilfreich sein.