Kritik einstecken – aber richtig! Oder: Wie man aus Steinen, die andere einem vor die Füße werfen, Brücken baut

junges PaarEigentlich steht jeder Mensch ständig auf dem Prüfstand seiner Mitmenschen – das gesamte soziale Umfeld beobachtet uns mit Argusaugen und ist gern bereit, uns Abweichungen von der tatsächlichen oder vermeintlichen Norm unter die Nase zu reiben. Das Spektrum der Kritik reicht von nonverbalen Bekundungen wie dem abschätzigen Blick oder Naserümpfen bis hin zur verbalen Keule. Der Umgang mit Kritik will gelernt sein – das gilt nicht nur für das Austeilen, sondern auch für das Einstecken von Kritik.

Um präzise Kritik bitten und Beispiele einfordern

Zwei Menschen im GesprächSehr oft machen Kritiker den Fehler, ihre Kritik pauschal zu äußeren. Manchmal handelt es sich sogar nur um bloßes Rumgemotze zum Zwecke des Frustabbaus – so etwas könnte man als Kritisierter eigentlich ignorieren. Wenn diese Pauschalkritik allerdings vor Zeugen geäußert wird, sollte man – vor allem dann, wenn man die Kritik als ungerechtfertigt empfindet – nicht klein beigeben, sondern nach Beispielen fragen. Nicht selten wird sich der Kritiker dann aus dem Konzept gebracht und selbst der Blamierte sein. Und selbst wenn der Kritiker nach einigem Überlegen doch einige Beispiele bringt, sind Sie im Vorteil. Viele Beispiele lassen sich als „schlecht gewählt“ oder „Einzelfall“ entkräften oder besser noch durch Gegenbeispiele widerlegen.

Wenn Kritik zum Mobbing wird

Zwei streitende junge MenschenKritik sollte immer fair sein und konstruktiv. Leider wird diese Spielregel selten eingehalten. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Kritik zum Automatismus und als Herumhacken zum negativen sozialen Ritual wird. Die Grenze zum Mobbing ist fließend. Gegen eine mobbende Gruppe in der Klasse oder am Arbeitsplatz allein vorzugehen, ist riskant, da jeder Versuch der Rechtfertigung sofort ins Gegenteil verkehrt wird. Mobber sind rationalen Argumenten nicht zugänglich. Hier muss man sich Hilfe von außen holen: Eltern, Vertrauenslehrer, Vorgesetzte.

Kritik entschärfen und wenden

Natürlich kann und sollte man aus konstruktiver Kritik immer lernen. Erfährt man solche hilfreiche, aufbauende Kritik, darf man sich beim Kritiker bedanken. Denn der hilft einem ja objektiv gesehen weiter – auch wenn konstruktive Kritik im ersten Moment genauso weh tun kann wie ungerechtfertigte Kritik. Ungerechtfertigte Kritik wiederum lässt sich besonders elegant abwehren, indem man – cool bleiben! – den Kritiker durch Nachfragen aus dem Konzept bringt, ihm fragwürdige Motive unterstellt oder ihm rät, doch erst einmal vor der eigenen Türe zu kehren. Bringen Sie jetzt noch einige Belege Ihrer Gegenkritik bei und tragen Sie diese in ruhiger, sachlicher Sprache vor, werden Sie erleben, dass der Angreifer im Handumdrehen in die Defensive gelangt. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie Ihre Gegenkritik erkennbar kultivierter und überlegter vortragen. Wenn Sie sich selbst allerdings eher als Hitzkopf einschätzen, sollten Sie ein wenig üben, bevor Sie diese Strategie im Ernstfall anwenden.   

 

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