Kritik austeilen – aber richtig!
„Du, das find ich jetzt aber nicht gut!“ - - - wer jemals mit diesem womöglich noch im weinerlich-vorwurfsvollen Tonfall vorgetragenen Paradebeispiel leerer Worthülsen konfrontiert wurde, weiß bereits, was nichtssagende Kritik ist: Unkonkret, emotional, moralisierend. Konstruktive Kritik sieht anders aus. Sie ist rational, logisch nachvollziehbar und orientiert sich am objektiven Befund.
Der Normalfall: Kritik muss sich um Verstehen bemühen
Auch unter Freunden herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Es gibt viele Situationen, in denen einen das Verhalten anderer stört. Doch wie sagt man es richtig? Hier geht es immerhin um eine Gratwanderung: man möchte zwar seine Meinung deutlich sagen, aber die Freundschaft nicht gefährden. Also bitte nicht gleich die große Standpauke aus der Ecke holen, sondern ein Gespräch unter Erwachsenen fühlen. In solchen Gesprächen geht es darum, zu vermitteln zwischen dem eigenen Standpunkt und dem des Freundes oder der Freundin. Was man zu sagen hat, sollte im ruhigen, unaufgeregten Ton vorgetragen werden – und mit direktem Blickkontakt. Dabei schadet es nicht, wenn im Dialog auch mal die Standorte gewechselt werden: Der Kritiker schlüpft in die Rolle des Kritisierten und umgekehrt. Das erweitert den Horizont.
Im Extremfall: Kritik muss weh tun und kann rücksichtslos sein
Leider gibt es auch Situationen, in denen der verständnisvolle Dialog nicht weiterhilft. Wer sich etwa über Regeln des zivilen Miteinanders hinwegsetzt und andere permanent durch sein lautes, aufdringliches und vielleicht sogar bedrohliches Verhalten stört, bedarf keines verständnisvollen Zuhörens, sondern einer deutlichen Zurechtweisung. Kritik sollte in solchen Fällen nicht vermittelnd daherkommen, sondern muss klar und deutlich sein. Völlig unangebracht ist das schlechte Gewissen, mit dem manch einer sich einem ungehobelten Störer nähert, nur weil dieser Mensch ja auch ein Recht auf persönliche Entfaltung hat. Dieses wichtige Grundrecht endet grundsätzlich dort, wo andere belästigt oder gar bedroht werden. Die Sorge, dass Kritik Gefühle verletzen könnte, ist ebenfalls überflüssig. Schließlich geht es darum, sich zu wehren.
Fingerspitzengefühl gefragt: Kritik am Arbeitsplatz
Heikel wird es, wenn man Kollegen oder gar Vorgesetzte kritisieren möchte. Denn dann ist weder die harsche Zurechtweisung angebracht noch der freundschaftliche Dialog. Und wer Kritik mit Beleidigung verwechselt, riskiert unter Umständen sogar die Kündigung. Gleichwohl muss auch beruflich vorgebrachte Kritik klar und deutlich sein. Um der Kritik die potentiell verletzende Schärfe zu nehmen, empfiehlt sich jedoch, sie mit Worten wie „Ich empfinde“, „Ich habe mitunter den Eindruck“ oder „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sehe das anders“ einzuleiten. Mit solchen subjektiven Einfärbungen schlägt Ihre Kritik einen Bogen um Vorwurf und Tadel. Vielmehr lenken Sie die Aufmerksamkeit auf eine konkrete Sache. So sieht konstruktive Kritik aus, von der beide Seiten profitieren können.