Zweiradkamikaze in Fixieland

Was ist leicht, wendig, trendig – und brandgefährlich? Das Fixie-Rad. In letzter Zeit sieht man sie immer öfter auch bei uns: die Kultfahrräder aus den USA. Nun machen sie auch hier die Straßen unsicher. Und das ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Bildausschnitt eines FahrradsFixie-Rad leitet sich aus dem englischen vom „Fixed Gear Bike“ ab, also einem Fahrrad mit einem einzigen starren Gang. Dabei ist das Hinterradritzel direkt über die Kette mit den Pedalen verbunden, es gibt keinen Leerlauf und auch keine Rücktrittbremse. Tritt man in die Pedale, drehen sich die Räder und wenn sich die Räder erstmal drehen, drehen sich die Pedale automatisch wieder mit. Mit einem solchen Rad ist es daher auch ohne weiteres möglich, rückwärts zu fahren. Da es nur einen Gang hat, der zumeist ein ziemlich großer Gang ist, bestimmen allein Kraft und Ausdauer des Fahrers über die Beschleunigung und die Geschwindigkeit des Rades. Daran lässt sich schon die eigentlich Herkunft des Fixie-Rades erkennen: Der Bahnradsport. Im Rennoval ist so ein Fahrrad optimal aufgehoben, denn der eine Gang ermöglicht es, unabhängig von der Technik, den schnellsten Fahrer zu finden.

Doch der starre Gang ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der Fixie-Räder mit den Bahnrennrädern. Wie das Original auf der Bahn ist der Radstand verkürzt. Zudem besitzen auch viele Räder, die auf der Straße fahren, kein Licht, keine Bremse und keine Klingel.

Mit dem Fixie-Rad fix durch die Stadt

Junge stützt sich auf FahrradlenkerZugegeben, viele Radler ignorieren an der einen oder anderen Stelle die Sicherheitshinweise und Vorschriften. Zum Beispiel das Tragen eines Helmes. Sieht doof aus und der Helm will auch immer verstaut werden, wenn man sein Rad irgendwo abstellt. Dass der Helm im Ernstfall Leben retten kann, wird schnell verdrängt. Oder der kaputte Dynamo, den man doch eigentlich am Nachmittag gleich reparieren wollte. Aber kaum einer würde ein Fahrrad mit nicht mehr funktionierenden Bremsen fahren. Worin liegt also der Reiz des Fixies? Zum einen ist es aufgrund des verkürzten Radstands enorm wendig und daher ideal für die überfüllte Großstadt geeignet. Besonders Fahrradkuriere wissen das zu schätzen. Zum anderen ist das Fahrrad aufgrund der spartanischen Ausstattung sehr leicht und kann daher problemlos die Treppe hoch getragen werden. Ein weiterer Vorteil der extrem einfachen Bauweise ist die geringe Defektanfälligtkeit. Denn wo nichts ist, da kann auch nichts kaputt gehen.

Mit dem Fixie-Rad fix ins Grab

Die Minimalausstattung scheint zunächst großartige Vorteile zu bieten, doch die Gefahren sind noch um einiges größer. Zurück auf die Rennbahn: Ist das Radrennen vorbei, können sich die Fahrer einfach ausrollen lassen, sie brauchen also gar keine Bremse. Auf der Straße hingegen ist das mit dem Ausrollen so eine Sache. Um überhaupt zu bremsen, muss man sich gegen die Pedale stemmen und so das Hinterrad blockieren, um dann bis zum Stillstand zu schlingern. Das dauert jedoch länger als mit einer normalen Bremse und diese zwei, drei Meter sind oft die Entscheidenden, wenn zum Beispiel Querverkehr kreuzt. Man kann natürlich auch eine Vorderradbremse nachträglich montieren und Anfang August diesen Jahres hat das Bonner Amtsgericht den Starrlauf des Rades als „zweite Bremse“ sogar anerkannt, sodass mit nachgerüsteter Beleuchtung und Klingel rein rechtlich erstmal alles im grünen Bereich wäre. Doch für den echten Puristen kommt so etwas natürlich einer Verschandelung des Kultrades gleich. Und selbst bei solchen Nachrüstungen ist das Fahren recht gewöhnungsbedürftig und immer noch gefährlich, sodass sich der Laie, auch da ein gutes Modell nicht ganz billig ist, den Kauf eines solchen Rades – nur weil es gerade im Trend liegt – gut überlegen sollte.