Wohin mit mir? - Entscheidungsdruck nach dem Abi und Zukunftsängste

junger MannDie Zeiten, in denen wenigstens die männlichen Abiturienten wussten, was nach dem Abi erst einmal auf sie zukommt – nämlich Bundeswehr oder Zivildienst –, sind aufgrund der stetig sinkenden Einberufungszahlen bzw. hohen Ausmusterungsquoten vorbei. Die wenigsten Abiturienten und Abiturientinnen haben klare Vorstellungen, was sie nach dem Abi machen wollen. Studium? Ausbildung? Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr? Praktikum? Oder lieber doch ein Jahr „Work & Travel“ in Australien? Es gibt so viele Möglichkeiten. Und jede Möglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile. Doch selbst bei denjenigen, die sich schon Gedanken gemacht haben, gibt es vielleicht einen konkreten Berufs- oder Studienwunsch, doch nur selten einen durchdachten Plan B. Der aber kann ganz schnell gefragt sein. Denn noch lange nicht jeder Ausbildungs- oder Studienwunsch geht auf Anhieb in Erfüllung.

Klaren Kopf bewahren

Zusätzlicher Entscheidungsdruck entsteht, wenn Eltern und Großeltern – womöglich schon ein oder zwei Jahre vor dem Abitur – den Nachwuchs mit Fragen löchern wie „Und was willst du später mal werden?“ und ungefragt ihren eigenen Lebenslauf zum Maßstab machen. Sobald das Abitur bestanden ist, nehmen die Fragen – sofern noch keine befriedigende Antwort vorliegt – an Intensität zu, nicht selten begleitet von kummervollen Blicken à la „Was soll bloß aus dir werden?!“ Natürlich kann man Eltern verstehen, wenn sie sich Sorgen um die berufliche Zukunft von Sohn und Tochter machen. Gerade in diesen wirtschaftlich so unsicheren Zeiten. Doch eins darf der Nachwuchs sich unter keinen Umständen streitig machen lassen: Das Recht auf eine eigene Entscheidung. Schließlich geht es um das eigene Leben, das noch vor einem liegt. Und da wird man ja wohl noch ein Wörtchen mitreden dürfen.

BeineLassen Sie sich also nicht unter Druck setzen. Nehmen Sie Ihren Eltern die Ängste, indem Sie klar und deutlich signalisieren, dass Sie Ihre Zukunft beherzt anpacken werden. Sollten Sie hingegen selbst unter Ängsten leiden, weil Sie sich wirklich nicht entscheiden können (verstärkt womöglich durch die kritische Wirtschaftslage), bewahren Sie einen kühlen Kopf und denken Sie über folgende Aspekte nach:

  1. Es gibt keine Ausbildung/kein Studium mit Erfolgsgarantie. Welche Berufe in drei bis fünf Jahren gefragt sein werden, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, aber nicht von Ihrer konkreten Wahl. Die vermeintliche Berufswahlniete von heute kann morgen das große Los sein. Und umgekehrt. Gehen Sie also unverkrampft an Ihre Lebensplanung heran. Harte Zeiten gab es schließlich schon immer – und sogar weitaus härtere.

  2. Es spricht einiges dafür, persönlichen Neigungen zu folgen. Wenn Sie Medizin nur deshalb studieren wollen, weil Ihre Abiturnote es zulässt und Ihre Eltern eine Praxis haben, lassen Sie es lieber. Machen Sie stattdessen das, was Sie wirklich machen möchten – und mag es auf Ihre Umgebung auch noch unvernünftig wirken. Gehen Sie Ihren eigenen Weg!

  3. Neben der Neigung sollten allerdings auch entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten vorhanden sein, sonst ist die Gefahr des Scheiterns relativ groß. Die Schule kann nur begrenzt dazu beitragen, Fähigkeiten klar werden zu lassen, denn einem guten Dutzend Schulfächern stehen Tausende von Berufsmöglichkeiten gegenüber. Nehmen Sie sich deshalb ein halbes oder auch ein ganzes Jahr Zeit, um herauszufinden, was Sie wirklich können. Sind Sie wirklich der angehende Musiker, für den Sie sich vielleicht halten? Oder steckt in Ihnen doch eher das noch nicht erkannte Informatikgenie, ein begnadeter Pädagoge oder eine künftige Unternehmerpersönlichkeit? Professionelle Potenzialanalysen können Ihnen helfen, erste Klarheit zu gewinnen – die Kosten sind meist eine sinnvolle Investition.

  4. Stecken Sie einen Zeitrahmen ab: Wenn Sie einige Monate auf eigene Faust mit Ihren Möglichkeiten und Potenzialen experimentieren möchten, sollten Sie viel Disziplin mitbringen, damit aus dem Experiment keine Gammelei wird. Setzen Sie einen Vertrag mit sich selbst auf, in dem Sie klar formulieren, was genau Sie ausprobieren wollen und innerhalb welcher Zeit. Führen Sie Protokoll über Ihre Erlebnisse und Eindrücke. Das erleichtert Ihnen die spätere Entscheidungsfindung. Wenn Sie mit so viel Systematik ans Werk werden auch Ihre Eltern beruhigt sein.

 

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