Für echte Teamplayer: Tauziehen als Wettkampfsport
Tauziehen, das kennen die meisten von uns vielleicht noch von ihrem letzen Kindergeburtstag oder aus dem Zeltlager. Und beides liegt schon halbe Ewigkeiten zurück. Doch auch das gibt es beim Tauziehen: regelmäßiges Training, feste Mitgliedschaft in einer Mannschaft und Wettkämpfe als echte Herausforderung. Dieses gewaltfreie Kräftemessen ist nämlich alles andere als ein Kinderspiel.
Tauziehen: Hochleistungssport mit Tradition
In Teilen Asiens und Ozeaniens war das rituelle Tau- oder Seilziehen Ausdruck für den Kampf zwischen Gut und Böse. Ein mehr als 4000 Jahre altes Relief aus Ägypten zeigt das Tauziehen vermutlich als sportliches Kräftemessen. Auch die alten Griechen übten sich im Tauziehen. In China und der Mongolei gab es Tauziehwettkämpfe um das 12. und 13. Jahrhundert. Etwa ab dem Jahre 1000 wurde auch im westlichen Europa kräftig am Seil gezogen, von 1900 bis 1920 sogar bei olympischen Spielen. Heute gibt es eine Tauziehbundesliga, Europa- und Weltmeisterschaften; außerdem ist Tauziehen eine Disziplin der World Games.
Feste Regeln, fairer Wettkampf
Und so machen es die Profis: Acht Zieher bilden eine Mannschaft, deren Aufgabe es ist, die gegnerische Mannschaft über eine Distanz von vier Metern zu ziehen. Für Frauen und Männer gibt es jeweils verschiedene Gewichtsklassen. Das Seil ist mindestens 32 m lang, hat einen Umfang von 10-14 cm und weist mehrere Markierungen auf: eine Mittelmarkierung und jeweils eine 4- und eine 5-Meter Markierung auf beiden Seiten der Mitte. Die Spezialschuhe sind plan und mit einer Metallplatte verstärkt. Handschuhe sind verboten, die Handflächen dürfen aber für einen sicheren Griff mit Harz bestrichen werden. Nach der Aufstellung der Mannschaften hat der Schiedsrichter das Sagen: Auf Kommando nehmen die Zieher das Seil auf und spannen es. Nun zentriert der Schiedsrichter das Seil ein letztes Mal. Das Kommando „Fertig“ bedeutet für alle höchste Konzentration und Anspannung, denn kurz darauf ist mit dem Kommando „Pull“ der Wettkampf eröffnet. Jetzt müssen alle Kräfte punktgenau mobilisiert werden. Nur dem gut eingespielten Team gelingt es, exakt in dieselbe Richtung zu ziehen und so die gesamte Kraft optimal auszunutzen. Neben Kraft ist auch Ausdauer gefragt, denn der Zug ist zeitlich nicht limitiert. Bei annähernd gleich starken Teams kann es lange dauern, bis die erforderlichen vier Meter geschafft sind. Sich abzustützen oder das Seil einzuklemmen ist ebenso verboten wie sich auf den Boden oder die Schuhe des Hintermannes zu setzen. Ein Pfiff des Schiedsrichters beendet den Zug, wenn ein Team gewonnen hat. Anschließend gibt es nach kurzer Pause einen Seitenwechsel und eine zweiten Durchgang.
Tauziehen: Freizeitvergnügen mit hohem Spaßfaktor
Wer das Ganze nicht so professionell angehen möchte, trifft sich einfach mal mit Freunden zum Tauziehen. Mit wenig Aufwand kann man sofort anfangen. Wichtig ist das richtige Seil: Es ist sehr großen Belastungen ausgesetzt und muss extrem reißfest sein. Hanf- oder Hanf-Kunststoffseile sind am besten geeignet. Natürlich darf auch keiner einfach das Seil loslassen, weil es dann zu gefährlichen Stürzen kommen könnte. Besonders im Sommer sorgt ein Bach als Mittellinie für mehr Spaß und eine echte Erfrischung. Und wer wieder richtig Spaß am Tauziehen bekommt, sollte sich nach einem Verein in seiner Nähe umsehen oder die Angebote z. B. des Hochschulsports durchforsten und ins ernsthafte Training einsteigen!