Immer auf der Verliererstraße: Spielsüchtige
Spieler sind süchtig: Nach Siegen, Geld, Nervenkitzel, Spannung, Spaß und Anerkennung. Spieler sind gefährdet: Oft machen sie Schulden, leiden unter dem Verlust sozialer Kontakte, verfallen in vielen Fällen auch anderen Süchten und riskieren gesundheitliche Beeinträchtigungen. Und Spieler sind zahlreich: Experten schätzen die Zahl krankhaft Spielsüchtiger allein im Bereich der klassischen Variante mit Pokertisch und Glücksspielautomaten in Deutschland auf über 130.000. Die Zahl der Abhängigen im Bereich von Computerspielen liegt mit geschätzten 15 Millionen um ein Vielfaches höher. Das Problem bei beiden Formen der Spielsucht: Beide Suchtformen werden nach außen hin lange Zeit kaum auffällig.
Konventionelle Spiele: Schach & Co
Analysiert man den Suchtfaktor klassischer Brettspiele, bei denen es meist nicht um Geld geht (wobei die Spieler natürlich auch hier Geldbeträge setzen können), fällt auf: Selbst ein altehrwürdiges Spiel wie Schach kann süchtig machen und seine Spieler dem wirklichen Leben entfremden. Befasst man sich mit den Biografien großer Schachmeister, gewinnt man unweigerlich den Eindruck, es mit seltsamen Persönlichkeitsstrukturen zu tun zu haben. Sollte man also gar nicht spielen? Das wäre schade. Denn jedes Spiel ist Training für den Geist. Selbst der einarmige Bandit erfordert Reaktionsschnelligkeit und ein Minimum an geistiger Wachheit. Erst recht gilt das für hochkomplexe Rollenspiele im Netz. Allerdings sollte man wie überall im Leben darauf achten, es nicht übertreiben. Denn Entwöhnungskuren sind hart.
Die zeitgenössische Variante: Rollenspiele im Netz und Computerspiele
Hier lockt nicht das Geld, sondern das Spielen als solches. In virtuelle Identitäten zu schlüpfen, hilft Abstand zu finden gegenüber einem oft als unbefriedigend empfundenen Alltag. Der Faktor Anerkennung bleibt zumindest im Onlinespiel eher abstrakt, da die Mitspieler aneinander in der Regel im richtigen Leben nicht begegnen und ohnehin Anonymität waltet. Anerkennung kommt also allenfalls der virtuellen Identität zu. Klassische Computerspiele haben ebenfalls die unheilvolle Tendenz, ihre Nutzer vereinsamen zu lassen – selbst auf LAN-Partys sind die Spieler nicht aufeinander bezogen, sondern auf die Technik und ein virtuelles Geschehen, das mit dem echten Leben nichts gemein hat.
Die klassische Variante: Roulette und einarmige Banditen
Im Unterschied zum Computerspiel lockt beim realen Spiel in letzter Konsequenz das Geld. Träume von am Roulettetisch im mondänen Casino erworbenen Reichtümern werden durch Spielfilme geweckt und genährt. Die Billigvariante dieses Traums liefert der Glücksspielautomat. Hier locken keine Reichtümer, sondern allenfalls kleine Gewinne. Das Risiko erscheint entsprechend begrenzt: Der Automat spuckt im Gewinnfall nicht nur kleine Münzen aus, er lässt sich ja auch mit Kleingeld füttern. Doch eher man zehn Euro Gewinn einstreichen kann, hat man 30 oder 40 verloren. Am nächsten Tag winkt vielleicht mehr Glück. Oder wenigstens am übernächsten. Irgendwann ist leider auch das Kleingeld alle. Also leiht man sich was. Weil man aber gerade eine echte Pechsträhne erwischt hat, leiht man sich mehr. Und mehr. Und mehr. Und steckt unversehens in der Schuldenfalle. Kommt dann noch der Verlust des Jobs hinzu, verschärft sich die Situation weiter. Labilere Charaktere überschreiten an dieser Stelle dann schon mal die Grenze zur Kriminalität.
Lesetipps:
- Sabine M. Grüsser/Ralf Thalemann: Computerspielsüchtig? 14,95 Euro
- Varnholt: Roulette. Protokoll einer Selbstzerstörung, 10,70 Euro