Rauchzeichen – Winterzeit, Räucherzeit
Nein, hier geht es nicht um geräucherte Schinken. Hier geht es um das Räuchern mit Kräutern und Harzen. Ihm wird eine reinigende Kraft in Bezug auf die Seele des Menschen zugesprochen. Etwas nüchterner formuliert könnte man zumindest sagen, dass es nach einer Räucherung besser riecht: Küchendünste, abgestandene Partyluft und selbst Nikotingestank halten einer soliden Räucherung nicht stand.
Räuchern mit Harzen
Prominentestes Beispiel für den Umgang mit rituellem Räucherwerk liefert die katholische Kirche. Traditionell wird hier mit Weihrauch geräuchert, dem Harz des in Ostafrika, auf der arabischen Halbinsel und in Indien wachsenden Weihrauchbaums. Doch Weihrauchharz wird auch bei anderen kultischen Räucherungen und gern in Verbindung mit anderen Räuchermitteln wie Benzoe, Myrrhe, Zistrose, Styrax und Lorbeer verwendet. Für den Hausgebrauch werden kleine Brocken des Harzes (bzw. Krümel des Krauts) auf spezielle, zum Glühen gebrachte Räucherkohle gelegt; die Räucherkohle bitte unbedingt auf eine hitzefeste Unterlage setzen. Das Harz schmilzt und verdampft. Die entweichenden, würzig duftigen Rauchschwaden haben in der rituellen Anwendung vor allem die Funktion, die Seele zu reinigen und die Gläubigen bereit zu machen für transzendentale Erfahrungen. Wer zu Hause räuchern möchte und nicht unbedingt auf göttliche Zeichen wartet, kann aber immerhin vom Wohlgeruch und dem oft beruhigen und reinigenden Effekt der Räucherung profitieren. Manche Räuchermittel sind sogar keimtötend. Übrigens eignen sich auch selbst gesammelte heimische Harze (vor allem Tanne und Fichte) hervorragend zum Räuchern. Die Harze dürfen nicht zu frisch (also nicht weich und knetmassenartig), sondern sollten trocken und krümelig sein. Gegebenfalls also ein paar Wochen ablagern. Der entstehende Duft ist umwerfend aromatisch und erinnert ein wenig an Sauna. Beim Räuchern sollte man unbedingt für Frischluftzufuhr sorgen, damit die dicken Rauchschwaden abziehen können. Der Duft bleibt auch nach dem Lüften noch lange Zeit im Raum. Und noch ein wichtiger Hinweis: Rauchmelder sollten nicht in der Nähe bzw. ausgeschaltet sein, da sie unweigerlich Alarm schlagen würden. Ansonsten ist Räuchern besonders in der kalten Jahreszeit ein stimmungsvoller Genuss für alle. Nur wer unter schwerer Bronchitis oder unter Asthma leidet, sollte vom Räuchern besser ganz die Finger lassen.
Räuchern mit Kräutern und Gewürzen
Die praktischen Hinweise aus dem Harz-Kapitel zum Thema Räucherkohle, Luftzufuhr und Einschränkung bei Atemwegserkrankungen gelten selbstverständlich auch hier. Das Räuchern mit Kräutern war bei den alten Germanen ebenso verbreitet wie bei den Indianern Nordamerikas. Salbei, Wacholder, Rosmarin, Lorbeer, Minze und Ysop sind ideal zum Räuchern. Glücklicherweise finden sie sich in jedem Supermarkt. Geräucghert wird stets mit dem trockenen Kraut. Wer mag, kann auch mit Beifuß (einem der wichtigsten traditionellen Räuchermittel), Mariengras, Mistel, Quendel, Rosenblüten, Rainfarn, Schafgarbe oder Mädesüß räuchern und das Repertoire sogar um Holzspäne (das exotische Sandelholz ist ein bekanntes Räuchermittel) erweitern. Beifuß wird übrigens von manchen Leuten gern als Mittel gegen Elektrosmog in Computerräumen verwendet. Doch auch bei mentalen Spannungen soll er hilfreich sein. Statt auf Räucherkohle kann man ein locker zusammengerolltes kleines Beifußblattbündel auch zum Glimmen bringen und langsam verglühen lassen.
Lesetipp:
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