Parkour – Bewegung pur
Das alte Fabrikgelände liegt verlassen und trostlos da. Fast alle Gebäude sind verfallen oder überwuchert und nichts deutet mehr auf die einstige Geschäftigkeit hin. Plötzlich sprinten drei junge Leute um die Ecke eines der Gebäude herum, springen die sechsstufige Treppe mit einem Satz geschickt herunter und rollen sich ab. Danach überwinden sie mühelos ein altes Absperrgitter, bevor sie die nächste Mauer erklimmen und dahinter wieder verschwinden. Doch man könnte es auch anders ausdrücken: Nachdem sie mit einem Saut de fond mit anschließender Roulade die Treppe gemeistert haben, geht es mit einem Passement über das Gitter weiter, bevor sie schließlich nach einem Passe muraille wieder verschwinden: Le Parkour.
Ein filmreifer Sport
Vor allem durch zahlreiche atemberaubende Parkoureinlagen in Filmen wurde Le Parkour zunehmend bekannter und einem breiteren Publikum näher gebracht. Beim Parkour geht es eigentlich nur darum, den schnellsten und effizientesten Weg von A nach B zurückzulegen. Dabei bedient sich der Traceur – der, der „den Weg ebnet“ (frz.) – jedoch nicht der Möglichkeiten, die man normalerweise nutzt. Er meidet eventuelle Hindernisse nicht, sondern sucht sie gerade zu, um sie dann möglichst elegant zu überwinden. Die Bandbreite der möglichen Hindernisse erstreckt sich dabei von Bänken und Blumenbeeten über Zäune, Mauern und Garagen bis hin zu Hochhausschluchten. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt, denn dem Traceur geht es lediglich darum, mit der vorhandenen Umgebung zurechtzukommen.
Die Hürde vor den eigentlichen Hindernissen
Wer sich jetzt aber sofort in die Stadt oder auf ein altes Fabrikgelände begibt und gleich locker loslegen will, sollte eines bedenken: Viele Anhänger des Parkour sehen ihren Sport nicht als Trendsport sondern als Extremsport, und das aus gutem Grund. Parkour erfordert eine gute körperliche und geistige Fitness. Beides setzt ein intensives Training voraus. Wenn man sofort ohne jegliche Erfahrung loslegt, kann man sich sehr leicht schwerste Verletzungen zuziehen oder den vorschnellen Versuch schlimmstenfalls sogar mit dem Leben bezahlen. Für Anfänger gilt: Man startet mit leichten Hindernissen und steigert sich dann schrittweise, sodass man sich jeweils nur an Hindernisse wagt, die man auf jeden Fall auch überwinden kann. Der vielleicht wichtigste Satz zum Parkour ist: „Parkour ist nur so schwierig, wie man es sich selbst macht.“ Da Parkour zwar schon vor etwa 20 Jahren entstand, sich jedoch erst in letzter Zeit zunehmender Beliebtheit erfreut, ist noch nicht viel über die Auswirkungen dieser Sportart auf den Körper bekannt. Häufig wird aber auf eine sehr hohe Gelenkbelastung besonders bei tiefen Sprüngen hingewiesen. Die Gefahr von Knochenbrüchen und schweren Verletzungen besteht vor allem für Anfänger, die sich überschätzen.