Tu dir das nicht an! - Selbstverletzung: Gründe, Hintergründe, Hilfen

Mädchen mit Narben am UnterarmEva und Rebecca sind an einem sonnigen und warmen Junitag in der Stadt unterwegs. Auf dem Weg zum Bahnhof kommt ihnen ein Mädchen entgegen. Sie ist in ihrer Jahrgangsstufe. Kaum Freunde. Fast nur schwarze Kleidung. Narben an den Unterarmen. „Was will die denn hier“ zischt Rebecca Eva zu. Eva antwortet gar nicht, sondern sagt direkt zu dem Mädchen: „Was willst du denn hier? Geh doch lieber zu deinen Emos“. Eva und Rebecca laufen weiter und lachen. Abends denkt Rebecca über die Begegnung nach. War ihr Verhalten wirklich richtig? Sollten sie nicht lieber probieren zu helfen?

Ursachen und Formen

Man sollte nicht wegschauen, sondern sich mit den Problemen der betroffenen Person auseinandersetzen und versuchen, sie zu verstehen. Für Außenstehende ist dies schwierig, da sie selbst die Erfahrungen, die die Ursache sein könnten, nicht gemacht haben. Wer hingegen als Freundin oder Geschwister die Ursachen kennt, kann möglicherweise das Verhalten besser verstehen. Ursachen können häufig Vernachlässigung in der Kindheit sowie Missbrauch sein. Die Selbstverletzung findet mit verschiedenen Methoden statt. Die häufigste ist sicherlich das sogenannte „Ritzen“. Weitere Erscheinungsformen sind unter anderem Verbrennungen, Verbrühungen, das Schlucken giftiger Substanzen, aber auch das Offenhalten von Wunden, Beißen und Schlagen von Kopf und anderen Körperteilen gegen Wände.

Wirklich der einzige Weg zur Aufmerksamkeit?

Wenn man bemerkt oder die Vermutung hat, dass sich jemand selbst verletzt, sollte man diese Person darauf ansprechen, auch wenn man erst Bedenken hat. Die meisten Betroffenen fühlen sich dadurch jedoch erleichtert, wenn sie selbst nicht anfangen müssen, über ihr Verhalten zu sprechen. Durch ein Gespräch bekommen die Betroffenen Zuwendung, die sie oft dringend nötig haben und auch ersehnen. Man sollte jedoch darauf achten, dass man sich nicht nur mit den Betroffenen beschäftigt, wenn sie sich gerade selbst verletzt haben, da hierdurch der Drang zur Selbstverletzung eventuell noch zunehmen kann. Denn den Betroffenen ist klar, dass sie durch Selbstverletzung Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen. Man sollte ihnen also durchgehend Aufmerksamkeit und Fürsorge schenken und nicht nur in bestimmten Situationen. Es kann sicherlich auch helfen, mit Betroffenen über ihre/seine Gründe und Gefühle zu sprechen.

Professionelle Hilfe

Eine ähnliche Geschichte führte auch zu der Organisation „To Write Love On Her Arms“ kurz: „TWLOHA“. Die Organisation wurde im Jahr 2006 von Jamie Tworkowski gegründet. Kurz: Die 19-jährige Renee litt unter Depressionen, Sucht, verletzte sich selbst und  wollte Selbstmord begehen. Sie ritzte sich immer wieder „Fuck“ in ihre Arme. Freunde wollten ihr helfen. Als „Erinnerung“ schrieben sie statt „fuck“ immer „love“ auf ihre Arme. Daher der Name. Die Organisation setzt sich für junge Menschen ein, die unter Selbstverletzungszwang, Depressionen, Abhängigkeit, Selbstmordgefahr und ähnlichem leiden. Man kann entweder Geld spenden oder T-Shirts, Pullis und andere Artikel kaufen, um Flagge zu zeigen. Es ist wichtig, nicht wegzusehen, vor allem, da solchen Problemen oft nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zu oft wird „Selbst schuld“ gesagt und nichts weiter unternommen. Richtig wäre zu sagen: „Unternimm was!“ – und entsprechend zu handeln.

Die Nummer gegen Kummer

Nummer gegen Kummer (Kinder- und Jugendtelefon): 0800 111 0 333 (erreichbar Mo - Sa von 14-20 Uh). Auch anonyme Internetberatung möglich: www.nummergegenkummer.de

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