Zwei junge Frauen, eine deutet auf etwas außerhalb des Bildes

Mobbing wegen guter Leistungen?

Wer schlechte Noten hat, braucht sich um den Respekt seiner Mitschüler meist nicht zu sorgen – miese Schulleistungen insbesondere in Kernfächern wie Deutsch, Englisch und Mathematik gelten zumal unter Jungen geradezu als Nachweis besonderer Männlichkeit und können in den Augen der anderen allemal durch gute sportliche Leistungen oder freches Auftreten wettgemacht werden.

Wer hingegen durchweg sehr gute Schulleistungen erbringt, hat – ob Junge oder Mädchen - ein Problem: Streber, Schleimer, Stinker, Kriecher oder Lehrers Liebling sind noch die schmeichelhaftesten Bezeichnungen, an die begabte Schülerinnen und Schüler sich gewöhnen müssen. Dabei schleimen sie meistens nicht einmal und sind auch oft gar nicht besonders strebsam – ihnen fällt nur vieles einfach so zu, worum andere mühsam und dann oft auch noch vergeblich kämpfen müssen. Oft ist es gerade diese Leichtigkeit, die den Neid derer hervorruft, die sich schwer tun mit dem Lernen.

zwei junge MenschenDieser Neid äußert sich dann in Gemeinheiten jeder Art, die alle nur ein Ziel haben: den vermeintlichen Streber oder die vermeintliche Schleimerin aus der Klassengemeinschaft auszugrenzen. Die Botschaft lässt sich so entschlüsseln: „Du denkst wohl, du bist was Besseres. Bist du aber nicht. Im Gegenteil. Du siehst ja, dass dich niemand mag – ein Dreck bist du.“ Wer als Schülerin oder Schüler dauerhaft solchen Anfeindungen und Ausgrenzungsstrategien ausgesetzt ist, läuft Gefahr, Verletzungen der Seele davonzutragen. Deshalb ist es wichtig, sich zur Wehr zu setzen – oder sich unangreifbar zu machen.

Tipps, wie man Anfeindungen unterlaufen kann

  • In einer Klassengemeinschaft stehen selten alle gegen einen. Die Gruppe der Anfeinder ist meist klein und besteht in der Regel aus drei, vier schlechten und zugleich aggressiven Schülerinnen bzw. Schülern. Es gibt also in jeder Klasse eine große neutrale Mehrheit, die viele Gelegenheiten bietet, Freundschaften zu schließen oder in Cliquen aufgenommen zu werden. Solche Freundesgruppen bieten einen zuverlässigen Schutz, da das Hauptargument der Anfeinder „Du gehörst nicht dazu“ sichtbar widerlegt ist.

  • Wer angefeindet wird, sollte herauszufinden versuchen, ob hinter diesen Ausgrenzungsversuchen nicht noch etwas ganz anderes steckt als nur der Neid auf gute Noten. Vielleicht spielen auch materieller Neid oder sogar ein Fehlverhalten des Opfers eine Rolle. Auch wenn man mit den Anfeindern kaum jemals über deren Beweggründe reden kann, helfen solche Überlegungen einem als Opfer dabei, eine innere Distanz zu den Vorfällen zu gewinnen.

  • Mitschülern bereitwillig Hilfe anbieten – so lässt man sie an der eigenen Begabung teilhaben

  • Nicht jeden Vorfall sofort beim Lehrer petzen – das würde den Verdacht, Lehrers Liebling zu sein, nur bestärken. Wenn das Mobbing allerdings extreme Formen annimmt und körperliche Gewalt einschließt, sollten betroffene Schülerinnen oder Schüler ihre Eltern und Lehrer umgehend auf das Problem ansprechen. Das gilt selbstverständlich auch für Mitschülerinnen und Mitschüler, die Mobbing-Vorfälle beobachten.

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