Meine Eltern akzeptieren meinen Freund nicht!
Das kommt immer wieder vor: Man ist verliebt und schwebt auf Wolke sieben und plötzlich bekommt alles einen bitteren Beigeschmack, denn die eigenen Eltern akzeptieren den Freund oder die Freundin nicht. Das ist besonders schwierig für alle, die noch zu Hause wohnen. Aber auch wer längst auf eigenen Füßen steht, gerät häufig in einen Konflikt, wenn sich das Gefühl einschleicht, man müsse sich zwischen den Eltern und dem Freund oder der Freundin entscheiden.
Der Familiensegen hängt schief
Eltern wollen für ihre Kinder eigentlich nur das Beste, deshalb wird gerade der Partner der Kinder besonders kritisch beäugt. Manche Eltern bekritteln, dass der Partner vielleicht kein standesgemäßes Elternhaus hat oder aus dem Ausland kommt. Oder sie finden ihn zu alt oder zu jung oder er hat nicht die gewünschte Religionszugehörigkeit. Oder sie meinen Charaktereigenschaften zu erkennen, von denen sie glauben, dass sie einer glücklichen Beziehung im Wege stehen. Vielleicht stören sie sich auch daran, dass der Freund oder die Freundin schon geschieden ist oder bereits Kinder hat. Auch spielen Verlustängste und Eifersucht oft eine große Rolle – Eltern haben manchmal Angst, aufs Abstellgleis zu geraten. Das alles führt häufig dazu, dass Eltern einen Freund oder eine Freundin von vornherein ablehnen und ihm oder ihr und auch sich selbst erst gar nicht die Gelegenheit zu einem vorurteilsfreien Kennenlernen geben. Daneben gibt es natürlich auch Fälle, in denen die Antipathie mit jedem Treffen wächst. Die Eltern hatten zunächst keine Vorurteile, bekommen aber das sichere Gefühl, dass die Beziehung nicht dauerhaft glücklich sein kann, und versuchen nun, das eigene Kind dazu zu bewegen, die Beziehung ähnlich kritisch zu sehen und vielleicht sogar zu beenden.
Das Gespräch suchen – mit Offenheit die Distanz überwinden
Wie auch immer der einzelne Fall gelagert ist und wie unterschiedlich gut das eigene Verhältnis zu den Eltern ist, man sollte auf jeden Fall das Gespräch suchen. Um Vorurteile abzubauen, hilft es vielleicht, den Eltern zu erklären, was man an der Freundin oder dem Freund besonders mag und welche gemeinsamen Pläne man hat. Und der Freund oder die Freundin müssen auf jeden Fall ausreichend Gelegenheit bekommen, sich den Eltern vorzustellen, etwa beim gemeinsamen Kochen oder an einem Spieleabend. Schwierig wird es natürlich, wenn die Eltern jedes Treffen von vornherein abblocken, nach dem Motto „der/die kommt mir nicht ins Haus“. Hier muss man klar stellen, dass man Offenheit erwartet und ernst genommen werden möchte. Langfristig möchte sich kaum einer zwischen Eltern und Freund oder Freundin entscheiden müssen. Und wenn den Eltern klar wird, dass die Liebe ernst ist, sollten sie auch bereit sein, dem Freund oder der Freundin wenigstens eine Chance zu geben. Oft dauert es eine Zeit, bis man den anderen kennen und schätzen gelernt hat. Sollten die Eltern allerdings auf ihrer Position beharren und keine Bereitschaft zur Akzeptanz signalisieren, muss man in sich gehen und abwägen, ob man bereit ist, zu den Eltern auf Distanz zu gehen, um das eigene Leben zusammen mit dem Freund oder der Freundin zu leben. Spätestens jetzt sehen einige Eltern ein, dass der Partner zur Familie dazu gehört und begegnen ihm oder ihr mit mehr Offenheit. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Kritik der Eltern eine gewisse Berechtigung hat. Während man selbst so sehr verliebt ist, dass man dem Partner alles verzeiht, entgeht den Eltern nicht, dass der Freund oder die Freundin unaufrichtig ist, eine latente Gewaltbereitschaft oder einen hohen Alkohol- oder Drogenkonsum hat. In solchen Fällen sollte man die Beziehung noch einmal auf den Prüfstand stellen.