"Lücken" plausibel erklären
Lebenslauf:
Lückenlosigkeit, Zielstrebigkeit, glanzvolle Abschlüsse in Rekordzeit und zusätzlich eine möglichst reichhaltige internationale Praxiserfahrung – das erwarten viele deutsche Personalchefs von Bewerberlebensläufen. Die Realität auf Bewerberseite sieht anders aus – besonders, was die Lückenlosigkeit angeht. Darf man schwindeln?
Lügen haben kurze Beine
Schwindeln darf man nicht. Man riskiert nämlich auch Jahre später noch die fristlose Kündigung, sollte der Schwindel durch Zufall herauskommen. Grob die Wirklichkeit verzerrende Schönheitsreparaturen am eigenen Lebenslauf sollte man sich also besser verkneifen. Dennoch muss man z. B. durch Wartezeiten auf Praktika, Ausbildungs- oder Studienbeginn oder durch private Auslandsaufenthalte entstandene Lücken keineswegs als Leerlaufzeiten ausweisen. In kaum einem Lebenslauf gehen die verschiedenen Stationen nahtlos ineinander über; dennoch gilt, dass viele Personalverantwortliche in den Unternehmen die Stirn runzeln, wenn sie Lücken entdecken, die mehr als zwei, drei Monate umfassen. Lügen darf man zwar nicht, aber kreatives Lückenfüllen ist durchaus legitim. Denn immerhin geht es um die eigene Zukunft. Allerdings sollte man mit Augenmaß an die Sache herangehen und sehr auf Plausibilität achten.
Kreatives Lückenfüllen
Eigentlich gehören zu einem Lebenslauf auch die entsprechenden Nachweise. Wer einen Sprachkurs im Ausland oder sonstige zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen absolviert hat, sollte eine entsprechende Bescheinigung beifügen können. Was aber, wenn es gerade daran hapert? Auch rein private Auslandsaufenthalte ohne dort erworbenes Sprachdiplom lassen sich wahrheitsgetreu wie folgt deklarieren: „Einjähriger Privataufenthalt in Australien, um meine Englischkenntnisse zu verbessern“. Das ersetzt zwar kein Cambridge-Zertifikat für Wirtschaftsenglisch, ist aber deutlich besser als eine zwölfmonatige Lücke, die Nichtstun suggerieren könnte. Allerdings sollte Ihr Alltagsenglisch dann auch wirklich präsentabel sein. Wenn Sie sich in Australien nach Backpacker-Art mit Aushilfsjobs in der Landwirtschaft über Wasser gehalten haben, können Sie dies mit Fug und Recht sogar noch als „Praxiserfahrung im agrartechnischen Bereich“ ausgeben. Selbst wenn dies nichts mit dem angestrebten Job zu tun hat, ist es immer noch besser als nachgewiesenes Nichtstun. Falls Sie über sechs oder acht Monate einen kompletten Durchhänger hatten und wirklich nur nichts getan haben, könnten Sie – entsprechende tatsächlich vorhandene Kenntnisse vorausgesetzt – irgendeine „Programmiersprache im Selbststudium erlernt“ haben. Das ist zwar ohne Nachweis weniger wert als mit Nachweis, doch wiederum deutlich besser als gar nichts Wer moralische Bedenken hat, sollte sich rasch klarmachen, dass die meisten Mitbewerber solche Skrupel nicht haben werden, sondern nach den Gesetzen des Dschungels knallhart ihren Vorteil suchen werden.
Noch besser: Lücken präventiv vermeiden
Nachträgliches Lückenfüllen hilft manchmal weiter, ist aber eigentlich nur zweite Wahl. Noch besser – auch unter dem Gesichtspunkt Ihrer eigenen Qualifikation – wäre es, sich frühzeitig zu überlegen, mit welchen Tätigkeiten man absehbare Lücken füllen könnte. Vielleicht müssen Sie damit rechnen, Ihren Traumausbildungsplatz bzw. Studienplatz erst nach einer Wartezeit von einem Jahr zu bekommen. Warum also bemühen Sie sich nicht umgehend um einen Platz im „Freiwilligen Sozialen Jahr“ oder leisten anderweitig ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich? Derartiges Engagement erklärt nicht nur etwaige Lücken, sondern wird von Unternehmen immer sehr gern gesehen. Darüber hinaus werden auch Sie in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung sehr davon profitieren.