Ganz schön heiß!

Inipi: Indianisches Reinigungsritual heizt den Teilnehmern richtig ein

Die Elemente unmittelbar erfahren, sich auf das Wesentliche besinnen und durch einen fundamentalen Reinigungsakt Kraft für einen Neuanfang schöpfen: Das indianische Schwitzhüttenritual, Inipi, ermöglicht den Teilnehmern nach dem Glauben des nordamerikanischen Indianerstammes der Lakota eine solche grundlegende Reinigung und Erneuerung. Ungeahnte Ströme von Schweiß reinigen den Körper und klären den Geist.

 

Inipi

heiße SteineDie Schwitzhütte ist als Erinnerungs-, Heilungs- und Erneuerungsritual Bestandteil der Kultur der Indianer Nordamerikas und anderer Völker der Nordhalbkugel. Das Ritual umfasst den Bau der Hütte, das Entzünden des Feuers, in dem die Steine erhitzt werden, die Anrufung der Ahnen um Unterstützung und mehrere Schwitzhüttenrunden, denen jeweils Themen wie Danken, Bitten und Geben zugeordnet sind. Die Schwitzhütte selbst symbolisiert den Bauch einer schwangeren Frau, nämlich der Mutter Erde. Indem die Teilnehmer in den Bauch zurückkehren, nehmen sie unmittelbar Verbindung mit der Mutter Erde auf und erleben so eine tief gehende Reinigung und die Erneuerung der Schöpfung. Zwar ist das Ritual bei uns seinem eigentlichen kulturellen Kontext entrissen, trotzdem findet es immer mehr Liebhaber. Sie empfinden die Schwitzhütte als einen feurigen Prozess, der das Alte verbrennt und Platz für Neues schafft.

 

Durchführung des Rituals

Junge Frau mit SaunatuchSchwitzhüttenrituale werden an vielen Orten als Seminar angeboten. Auch manche Saunazentren bieten die Schwitzhütte als Variante. Die Hütte, errichtet aus Weiden- oder Haselzweigen und abgedeckt mit Decken oder Fellen, ähnelt einem Bienenkorb. Sie ist niedrig und die Teilnehmer sitzen im Kreis eng beieinander. In der Mitte befindet sich eine Grube für die erhitzten Steine. Außerhalb der Hütte hütet der Feuermann die Steine, bis sie glühend heiß sind. Er bringt sie in die Hütte und verschließt diese von außen. Der Zeremonienmeister, der mit in der Hütte sitzt, übernimmt jetzt die Leitung. Er wirft getrocknete Kräuter auf die Steine und ein würziger Duft erfüllt die Hütte. Dann beginnen die Wasseraufgüsse. Gleich mit dem ersten Aufguss bricht der Schweiß aus den Poren. Doch es gibt noch ungeahnte Steigerung dieses anfänglichen Schweißausbruches. Ein Durchgang dauert etwa 20 Minuten, drei oder vier Durchgänge sind die Regel. Zwischen den Durchgängen darf die Hütte meist für eine kurze kalte Dusche und das Trinken von Wasser verlassen werden. Sollte ein Teilnehmer sich während eines Aufgusses infolge von Enge, Hitze oder Dunkelheit unwohl fühlen, muss er die Hütte unbedingt verlassen. Wer Sauna schon als unangenehm empfindet, sollte nicht am Schwitzhüttenritual teilnehmen. Im Zweifelsfall bitte erst Arzt oder Ärztin fragen.

 

Schwitzen als Reinigung und Erneuerung

Die Erfahrungen in der Schwitzhütte sind nicht vorhersagbar. Manch ein Teilnehmer gerät in einen tranceähnlichen Zustand, besonders wenn Rhythmusinstrumente, einfache Gesänge oder Gebete die Zeremonie begleiten. Die Gemeinschaft mit den Mitschwitzern wird meist besonders stark erfahren in der Enge und Dunkelheit der Hütte. Auch der Kontakt zu den Elementen ist unmittelbar: Das Feuer offenbart sich in den glühenden Steinen, die Erde spürt man beim Sitzen auf dem Boden, die Luft wird im Duft der verglühenden Kräuter wahrgenommen und die Leben spendende Kraft des Wassers im Aufguss und im rinnenden Schweiß. Für viele ist die Schwitzhütte ein Ort der Meditation, für sie endet das Ritual mit einem klaren Kopf und tiefem inneren Frieden.

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