Mädchen am Schreibtisch

Hohe Hürde Latein

Genitivus possesivus, Ablativus absolutus und Participium coniunctum – froh sei derjenige, der Latein bereits zu Schulzeiten abgehakt hat. Alle anderen sollten schauen, ob ihre Wunsch-Universität nicht Kenntnisse in der toten Sprache verlangt. Denn die können es mitunter in sich haben und viel Energie, Zeit und Nerven kosten.

Der Kelch „Latinum“ ist in der Schule an Ihnen vorbei gegangen? Dann sollten Sie sich beizeiten darüber informieren, ob die Hochschule Ihrer Wahl nicht zu den Latein-Liebhabern zählt. Denn an einigen Universitäten braucht man Lateinkenntnisse oder sogar das Latinum für Magister, Promotion oder Staatsexamen. Welche Hochschulen das sind und für welche Fächer das gilt, ergibt sich aus der Studienordnung. Diese liegt häufig bei, wenn man sich vor Studienbeginn Informationsmaterial schicken lässt. Eine andere Möglichkeit zur Recherche sind die Internetauftritte der Unis. In der Regel sind dort die einzelnen Studienordnungen online gestellt. Manchmal findet man zudem Extraseiten, auf denen die Bestimmungen detailliert aufgelistet sind. So zum Beispiel auf der Homepage der Ruhr-Universität Bochum (www.ruhr-uni-bochum.de). Hier heißt es, dass Studierende für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen Kenntnisse in Fremdsprachen nachweisen müssten. Der Haken: In einigen Fächern handelt es sich dabei neben einer Fremdsprache um das Latinum. Das betrifft unter anderem die Fächer Französisch, Englisch und Geschichte.

Lateinkurse an der Uni

Über die Anforderungen für den Magister gibt beispielsweise die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (www.uni-muenster.de) Auskunft. Für das Fach Deutsche Philologie im Haupt- und Nebenfach setzt die Hochschule „Lateinkenntnisse im Umfange des Kleinen Latinums“ voraus. Wer zum Beispiel in Archäologie promovieren möchte, braucht das Latinum. Der Unterschied ist in der Praxis entscheidend – vor allem für diejenigen, die Latein nicht in der Schule hatten. Denn für das Latinum muss man erheblich mehr Zeit und Energie einplanen als für die Lateinkenntnisse. In der Regel bieten die Unis Kurse an, um das in der Schule Versäumte nachzuholen. Sie umfassen meistens zwei Doppelstunden pro Woche und gehen über ein Semester. Nach zwei Kursen, die normalerweise jeweils mit einer Klausur abschließen, hat man die „Lateinkenntnisse im Umfange des Kleinen Latinums“ in der Tasche. Für das Latinum belegt man oft drei Kurse und macht noch eine schriftliche sowie eine mündliche Abschlussprüfung. Die meisten Magisterkandidaten können danach Latein abhaken. Lehramtsstudenten müssen noch eine Ergänzungsprüfung an einem Gymnasium bestehen. Zu welchem Zeitpunkt die Lateinkenntnisse beziehungsweise das Latinum vorgelegt werden muss, ist unterschiedlich. Münsters Magisterkandidaten benötigen zum Beispiel die „Latein-Scheine“ für die Zwischenprüfung.

Jeden Tag eine Stunde Latein

Soweit die Fakten. Was sich jedoch erst bei Studienbeginn zeigt, ist der hohe Anspruch der Lateinkurse, Klausuren und Prüfungen. Nicht umsonst raten einige Dozenten bei der Einführungsveranstaltung, jeden Tag mindestens eine Stunde für Latein einzuplanen – und sich nicht zu viele andere Vorlesungen und Seminare aufzuhalsen. Nach einer kurzen Aufwärmphase schreiten die Lateinlektionen dann auch rasant voran, so dass einem bald vor lauter Genitivus possesivus, Ablativus absolutus und Participium coniunctum der Kopf schwirrt. Viele wählen deshalb eine andere Variante: Sie belegen an einer Sprachschule oder ähnlichem einen Latein-Crash-Kurs. Wenn ihre Kommilitonen dann die Semesterferien genießen, arbeiten oder ein Praktikum machen, pauken sie morgens bis abends über Wochen hinweg Latein. Was besser ist – ein Intensivkurs oder die Semester begleitenden Lateinstunden – muss jeder für sich selbst entscheiden. Oftmals spielt ebenfalls das Geld dabei eine Rolle, denn während die Kurse an der Uni kostenlos sind, lassen sich die privaten Einrichtungen ihre Leistungen gut entlohnen.

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