Hoch verschuldet mit 20? Schuldenfallen rechtzeitig erkennen
Mit Schulden scheint unsere Gesellschaft kein Problem zu haben: Kaum ein nicht über Kredit finanziertes privates Auto oder Haus, der gesamte Staatshaushalt seit Jahrzehnten nur noch über Schulden finanzierbar – was also wäre normaler als Schulden? Wer so denkt und selbst munter Schulden für den privaten Konsum macht, hat eins nicht bedacht: Dass Schulden irgendwann zurückbezahlt werden müssen.
Schuldenfallen für Einsteiger
Das neueste Handymodell, hochwertige Unterhaltungselektronik, schöne Urlaubsreisen. Es gibt so vieles, was man gerade als junger Mensch so gern hätte. Und sei es auch nur, weil die anderen es haben. Doch leider kosten diese Dinge Geld. Das aber ist in jungen Jahren meist noch knapp. Azubilohn, Ferienjobs, Minijob, Studienkredit oder BAFÖG – damit lassen sich keine großen Sprünge machen. Doch zum Glück gibt es günstige Konsumentenkredite in jedem Verbrauchermarkt – bis zu einer vom Anbieter festgelegten Summe sind noch nicht einmal Einkommensnachweise erforderlich, Personalausweis reicht! Und die Raten, sie scheinen so überschaubar zu sein. Warum also nicht einfach zuschlagen? Ja, warum eigentlich nicht? Solange es bei einer einzigen Fremdfinanzierung bleibt und man seine Finanzen richtig einschätzt, dürfte alles im grünen Bereich sein. Zum Problem wird der Kauf auf Pump, wenn man mehrere Kredite abzutragen hat. Reicht das Einkommen nach Abzug der Lebenshaltungskosten – Essen, Miete, Mietnebenkosten, Versicherungsbeiträge und andere notwendige Ausgaben – nicht mehr aus, um die monatlichen Raten pünktlich zu bedienen, spricht man von Überschuldung. Jugendliche, die mit Anfang 20 einen Schuldenberg von einigen Tausend Euro angehäuft haben, sind leider keine Seltenheit. Aufgrund auflaufender Zinsen und Zinseszinsen wächst der Schuldenberg immer weiter. Wer seine Schulden nicht zurückzahlen kann, bekommt negative Einträge in Schuldnerregistern, gelegentlich Besuch von Gerichtsvollziehern und meist keinen Kredit mehr. Doch auch hier scheint es Abhilfe zu geben.
Kreditvergabekriterien
Beantragt man bei seiner Hausbank einen Kredit, wird noch nach relativ seriösen Kriterien verfahren. Die Bank prüft aufgrund von Einkommensnachweisen, ob eine realistische Aussicht besteht, dass das Geld zurückgezahlt werden kann. Auch nach Sicherheiten wird geschaut. Soweit ist noch alles in Ordnung. Doch bereits ein paar Kreditrunden weiter wird es kriminell: Dann versprechen Anzeigen im Internet und in der Tageszeitung „Sofortkredite von bis zu 100.000 Euro ohne Bonitätsprüfung“ – das heißt ohne Prüfung der Kreditwürdigkeit. Wer sich jetzt freudig Kontakt aufnimmt, wird vielleicht über die hohen Zinsen erstaunt sein. Doch was soll’s – die kann man ja zur Not auch noch schuldig bleiben. Oder lieber doch nicht? Denn man hört ja immer wieder auch von Krediteintreibern, die alles andere als zimperlich sind und auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschrecken.
Privatinsolvenz – oder lieber von Anfang an aufs Sparen setzen?
Besser als der Sofortkredit ist, wenn nichts mehr geht, der Weg in die Privatinsolvenz. Die Privatinsolvenz stellt einen nach sieben Jahren schuldenfrei – allerdings nicht bedingungslos. Die Privatinsolvenz muss man beantragen. Wird dem Antrag stattgegeben, müssen alle Einkünfte der nächsten sieben Jahre dazu verwendet werden, die Schulden so weit wie möglich abzutragen. Es bleibt einem lediglich das, was zum Lebensunterhalt absolut notwendig ist. Urlaube und teure Elektronik zählen nicht dazu. Die sieben Jahre sind also keine angenehme Zeit. Wer sich den Weg in die Schuldenfalle und auch den dornigen Weg in die Privatinsolvenz ersparen möchte, sollte über das Rezept nachdenken, nachdem man früher erfolgreich gewirtschaftet hat: Sparen. Und zwar so lange, bis es für die Anschaffung reicht!