Functional Food: Zwei Fliegen mit einer Klappe
Satt und gesund durch angereicherte Lebensmittel?
Hungrig streife ich durch den Supermarkt, mein Kühlschrank ist komplett leer. Joghurt, Brot, Margarine, Saft und für zwischendurch Müsliriegel und ein paar Bonbons. Soll ich Joghurt zum Trinken oder zum Löffeln nehmen? Das ist eigentlich egal, Hauptsache es ist probiotischer Joghurt. Der nämlich stärkt so ganz nebenbei meine Abwehrkräfte, wie ich auf der Packung lese. Da nehme ich doch am besten auch das Brot mit den zugesetzten Omega-3-Fettsäuren, die Margarine mit den zusätzlichen Pflanzensterinen, den ACE-Saft mit extra viel Vitaminen, die Müsliriegel mit Mineralstoffen. Und schließlich finde ich auch noch Bonbons mit Vitamin C. So, jetzt kann ich beruhigt nach Hause gehen, denn ich fühle mich rundum gut versorgt.
Funktionelle Lebensmittel auf dem Vormarsch
Functional Food, zu deutsch funktionelle Lebensmittel, sind mit Zusatzstoffen angereicherte Nahrungsmittel, die über den eigenen Nährwert hinaus einen positiven Nutzen für die Gesundheit versprechen. Am bekanntesten sind sicherlich die probiotischen Milchprodukte. Bestimmte Milchsäurebakterien sollen die körpereigenen Abwehrkräfte aktivieren oder die Verdauung in Schwung bringen. Omega-3-Fettsäuren, die sich als Zusatz in Brot finden, kann der Körper nicht selbst herstellen. Sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wirken sich günstig auf den Cholesterinspiegel aus. Aktiv den Cholesterinspiegel zu senken, verspricht die Margarine mit den zugesetzten Pflanzensterinen. Saft trinken und gleichzeitig viel Vitamin A, C und E zu sich nehmen, um die Zellen zu schützen und Gefäßverkalkung entgegen zu wirken, wird hierzulande immer beliebter. Müsliriegel werben mit zusätzlichen Mineralstoffen und sogar Bonbons wecken den Anschein, mit einer Extraportion Vitamin C einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit zu leisten.
Umstrittener Nutzen oder gar Risiko?
Der gesundheitliche Zusatznutzen des Functional Food ist meist nicht durch wissenschaftliche Studien belegt. Milchsäurebakterien sind unbestritten gut für das Immunsystem. Sie sind in jedem Naturjoghurt und auch im Sauerkraut enthalten, der deutlich teurere probiotische Joghurt enthält allenfalls etwas mehr davon. Naturjoghurt kommt dabei aber ganz ohne Zucker und andere Zusätze aus. Werden mehrere Functional Food-Produkte gegessen, verliert man schnell den Überblick über die Menge der aufgenommenen Vitamine oder Mineralstoffe. Gerade im Fall der fettlöslichen Vitamine kann es leicht zu einer gefährlichen Überdosierung kommen. Cholesterinsenkende Margarinen enthalten Pflanzensterine, die die Aufnahme von Vitaminen einschränken können. Schwangere und Stillende sollten diese Produkte ganz meiden. Bei einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist der Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen meist gut versorgt, es besteht gar keine Notwendigkeit, mit Functional Food-Produkten nachzuhelfen. Gelegentliche Fischmahlzeiten, ein Salat mit Rapsöl oder Nüsse enthalten dabei auch die wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht das Functional Food durchaus kritisch, da es keine Garantie für eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung ist. Ein ungesunder Lebensstil kann damit nicht ausgeglichen werden. Die angereicherten und häufig teuren Lebensmittel können daher getrost im Regal stehen bleiben. Stattdessen kommen Vollkornprodukte, Naturjoghurt und viel Obst und Gemüse auf den Tisch.