Böse Falle: Fangfragen im Vorstellungsgespräch

junge Frau in einem VorstellungsgesprächGerade ist Ihnen gerade das Einladungsschreiben zum Vorstellungsgespräch auf den Tisch geflattert – und schon glauben Sie, den Job schon in der Tasche zu haben. Denken Sie in solchen Situationen bitte immer daran, dass es fünf oder sechs anderen Mitbewerbern in dieser Minute nicht anders geht. Auch sie sind eingeladen. Und sie wollen „Ihren“ Job. Deshalb ist das Vorstellungs- oder Auswahlgespräch keine reine Formalität, sondern die entscheidende Hürde, die schon viele gerissen haben.

Gemeine Fragen geschickt kontern – oder unterlaufen

zwei Personen an einem TischDie fiesen Fragen kommen meist erst dann, wenn Sie sich schon in Sicherheit wiegen, weil Sie sich bislang ganz gut durchmanövriert haben. Machen Sie jetzt nicht den Fehler, geistig auf halbe Kraft zu schalten – gerade in den letzten fünf bis zehn Minuten eines Gesprächs ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Typische Fangfragen haben im Unterschied zu sachlich orientierten Fragen eigentlich immer das Ziel, Kandidat oder Kandidatin aus der Reserve zu locken. Ihre Antworten auf Fangfragen verraten dem Fragesteller immer etwas über Ihren Charakter, die Ernsthaftigkeit Ihres Interesses und Ihre wahren Absichten. Deshalb tun Sie gut daran, sich nicht allzu sehr zu exponieren – antworten Sie bedächtig und abwägend.

Beispielhafte Fangfragen – und die Absicht dahinter

  • „Haben Sie auch eine alternative Lebensplanung?“
    Man will wissen, wie ernsthaft Sie der angebotene Job interessiert – oder ob Sie den Job nur als Zwischenstation ansehen. Unterstreichen Sie die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung und loben Sie die Perspektiven, die sich Ihnen mit diesem Job im Unternehmen eröffnen.
  • „Schildern Sie mal eine Situation, in der andere mit Ihnen nicht zufrieden waren.“
    – nun möchte man herausfinden, wie Sie mit Kritik umgehen. Machen Sie sich nicht selbst runter und schildern Sie auf gar keinen Fall ein konkretes Versagen. Schildern Sie stattdessen lieber, wie eine vermeintlich gute Idee von anderen kritisiert wurde – und wie offen und konstruktiv Sie mit dieser Kritik an Ihrer Idee umgegangen sind. Erfinden Sie einen solchen Fall zur Not.
  • „Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern?“
    Man will kein Eigenlob hören, sondern testen, wie es um Ihre Auffassungsgabe und Ihren Realitätssinn bestellt ist. Heben Sie etwas hervor, was für das Unternehmen wertvoll sein könnte – etwa eine starke Kommunikationsfähigkeit: Sie können Menschen begeistern, Sie können Dinge verständlich darlegen, Sie haben die Fähigkeit, auf andere einzugehen. Was Sie sagen, sollte auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten sein.
  • „Bewerten Sie sich mit Punkten von null bis zehn.“
    Ganz klar: Sie sollten jetzt weder zur Überschätzung noch zur Unterschätzung Ihrer Fähigkeiten neigen. 8 oder 9 Punkte dürfen Sie sich aber getrost geben – und durchblicken lassen, dass Sie jemand sind, der an sich arbeitet und bald die volle Punktzahl erreichen möchte.
  • „Ihre Abschlussnoten sind ja nun nicht so, dass jeder Sie gern nehmen würde.“
    Solche Fragen möchten Ihre Frustrationstoleranz ausloten. Reagieren Sie jetzt beleidigt oder aggressiv, haben Sie verloren. Eine Antwort in Richtung „Zugegeben – aber Noten sind immer nur Momentaufnahmen. Und Sie werden in mir einen dauerhaft engagierten und loyalen Mitarbeiter haben“ wäre nicht verkehrt.
  • Mehrfachfragen, bei denen verschiedene Dinge gleichzeitig gefragt werden:
    Man möchte checken, ob Sie sich leicht verwirren lassen. Arbeiten Sie einen Fragepunkt nach dem anderen ab.

 

Lesetipp: „Fangfragen im Vorstellungsgespräch souverän meistern“ von Carolin Lüdemann und Heiko Lüdemann

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