Erster Test: Stellenanzeigen richtig lesen
Beim Lesen der Anzeigen kommt mancher schon ins Straucheln, sind doch viele Anzeigen voller Phrasen anstatt voller Informationen. Die Anforderungen an die Bewerber scheinen unerreichbar hoch gesteckt. Doch nur Mut: Die Unternehmen suchen qualifizierte Leute wie Sie!
Der Anzeigentext
Ein Anzeigentext sollte Auskunft zu fünf wichtigen Fragen geben: Um welches Unternehmen handelt es sich, welche Position mit welchen Aufgaben soll besetzt werden, welche Anforderungen sind gewünscht, wie sieht es mit der Vergütung und den Aufstiegschancen aus und welches ist der Weg der Bewerbung? Sollte das Unternehmen nicht hinreichend beschrieben worden sein, finden sich sicherlich weitere Informationen im Internet. Die freie Position ist zwar durch die Nennung der Berufsbezeichnung eingegrenzt, trotzdem können die Anforderungen im Einzelnen sehr unterschiedlich sein. Greifen Sie ruhig mal zum Telefon, wenn es Zweifel an der Aufgabe gibt, die es zu erfüllen gilt. Ein Anruf im Unternehmen wirkt sich nicht negativ auf die spätere Bewerbung aus, sofern wichtige Fragen zu klären sind. Schließlich ist es auch im Interesse des Unternehmens, wenn die Bewerber im Vorfeld über die zukünftigen Aufgaben detaillierte Kenntnis haben.
Die Anforderungen
Die Anforderungen, denen die Bewerber entsprechen sollen, sind oft idealtypisch formuliert, und scheinen so manchmal außer Reichweite. Doch natürlich darf man sich auch bewerben, wenn man nicht alle Kriterien erfüllt. Die Anforderungen umfassen zwei Bereiche: die Hard Skills – also ein bestimmter Schulabschluss, das Zeugnis einer abgeschlossenen Berufsausbildung, ein bestimmtes Universitätsexamen oder einen Titel – und die Soft Skills, das sind persönliche Eigenschaften, die sich nicht durch Zeugnisse nachweisen lassen. Teamfähigkeit, Mobilitätsbereitschaft, Konfliktfähigkeit oder Durchsetzungskraft gehören hierher. In beiden Bereichen gibt es dabei Muss-, Soll- und Kann-Kriterien. Die Hard Skills sind oft eindeutig formuliert: Wenn verhandlungssicheres Englisch gefordert ist, reicht das Schulenglisch mit Sicherheit nicht aus, denn es gilt, lange und detailreiche Verhandlungen in Englisch zu führen. Wenn es allerdings heißt „idealerweise haben Sie“, dann handelt es sich hierbei um ein Kann-Kriterium, das vom Bewerber nicht unbedingt erfüllt sein muss.
Soft Skills erstmal ignorieren
Anders liegen die Dinge bei den Soft Skills, denn diese sind nur schwer nachweisbar, aber dennoch für viele Unternehmen nicht weniger wichtig. Hier finden sich in den Anzeigen oft sogenannte Wachswörter wie Teamfähigkeit, Erfolgsorientierung oder Zuverlässigkeit. Ein gewisses Maß an Teamfähigkeit bringt eigentlich jeder Bewerber mit, denn jeder bewährt sich von Kindheit an in verschiedenen Gruppen wie Familie, Kindergarten, Schulklasse, Sportverein und Freundeskreis. Jeder, der einen guten Job sucht, ist erfolgsorientiert, und Zuverlässigkeit ist eigentlich selbstverständlich für einen engagierten Arbeitnehmer. Auch wenn ein „versierter Verhandlungsführer“ gesucht wird und das vielleicht zunächst nicht Ihre Stärke ist, lohnt sich eine Bewerbung, sofern die Muss-Kriterien erfüllt sind. Beim Vorstellungsgespräch offenbart sich vielleicht gerade Ihre geschickte Verhandlungsführung. Überhaupt gilt für die Soft Skills, das sie erst im Vorstellungsgespräch richtig lebendig werden. Also lassen Sie sich nicht von Anzeigentexten verunsichern und denken Sie daran, dass Ihre Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind!