Wir sind Allesfresser. Oder?

Zwei junge Frauen werden von einem Mann bekochtVom Fertigmenü zur gesunden (!) Mischkost

Irgendwann ist es einfach soweit: Immer nur Fastfood, Fertigmenüs und Tiefkühlkost geht nicht mehr. Die Lust auf was Frisches überkommt einen, und warum die Gelegenheit nicht nutzen und gleich die komplette Ernährung umstellen? Das mag am Anfang zwar ungewohnt sein, spielt sich aber schnell ein. Und der gute Geschmack und spürbar positive Effekte auf die Gesundheit überzeugen auf jeden Fall!

 

Wie ernähre ich mich richtig?

Teller mit Spinat, geformt zu einem FrauengesichtVerschiedene Vertreter der Lebensreformbewegungen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts besonders in Deutschland und in der Schweiz aufkamen, werteten die Entwicklungen der Moderne und die Errungenschaften der Lebensmittelindustrie nicht als Fortschritt, sondern als Verfallserscheinung. Sie forderten ein „Zurück zur Natur“ in allen Lebensbereichen und glaubten, auf diese Weise gegen viele Krankheiten gewappnet zu sein. Für die Ernährung bedeutete dies: wenig Fleisch, viel Vollkorn und Rohkost möglichst aus ökologischem Landbau und die Ablehnung von Genussmitteln. Die Naturheilkunde gründet übrigens auch in diesen Bewegungen.

 

Frühe Ernährungskonzepte

geschnitteses GemüseKneipp und Bircher-Benner zählen zu den Pionieren einer Ernährungslehre, deren Oberbegriff „Vollwertkost“ Kollath dann 1942 prägte. Basierend auf den Erfahrungen seiner Vorgänger forderte er: „Lasst unsere Nahrung so natürlich wie möglich!“. Nach dem jeweiligen Grad der Verarbeitung teilte er die Nahrungsmittel in 6 Wertstufen ein – je weniger verarbeitet ein Nahrungsmittel war, desto höher seine Wertigkeit. Grundsätzlich rangierte pflanzliche Nahrung über tierischer. Heute haben die Begriffe „Vollwertige Ernährung“ und „Vollwerternährung“ die „Vollwertkost“ abgelöst. Und mit den Begriffen haben sich auch die Konzepte geändert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) plädiert für eine gesunde Mischkost, schließlich ist der Mensch seiner Natur nach ein typsicher Allesfresser. Trotzdem sollte er nicht wahllos „alles fressen“.

 

Was empfehlen heutige Ernährungsprofis?

Sandwitch aus Schwarzbrot, Ei, SalatObst und Gemüse in Form von Rohkost kommt nach den Empfehlungen der DGE immer noch große Bedeutung zu, fünf Portionen am Tag sollten es schon sein. Das Prinzip der Ausschließlichkeit gilt aber nicht mehr, denn Kartoffeln, Bohnen und Hülsenfrüchte sind roh für den Menschen ungenießbar. Fleisch sollte nicht täglich gegessen werden, dafür ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Vollkornprodukte sind empfehlenswerter als Weißmehlprodukte, Zucker und Salz sind sparsam zu verwenden. Pflanzenöle bekommen den Vorzug vor tierischen Fetten. Dazu reichlich Mineralwasser, ungesüßte Tees und Saftschorlen trinken. Eine solche Ernährung versorgt den Körper rundum und macht mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel sowie Nahrungsergänzungsmittel überflüssig.

 

Tipps für die Umsetzung

Das Konzept der gesunden Mischkost bedeutet also nicht, dass man zum Rohköstler, Körnerpicker und Asketen werden muss. Aber ein Frühstück aus Haferflocken, frischem Obst und Joghurt statt eines Weißmehlbrötchens mit süßer Schokocreme versorgt den Körper perfekt und sättigt lang anhaltend. Die Zwischenmahlzeit wird so vielleicht überflüssig. Wenn nicht: Statt eines „Powerriegels“ lieber einen Apfel und eine Handvoll Nüsse verzehren. Für das geliebte Nudelgericht einfach mal Vollkornnudeln kaufen und einen kleinen Salat dazu essen. Beim Kuchenbacken einen Teil des im Rezept angegebenen Zuckers weglassen und den eigenen Geschmack auf „weniger süß“ umstellen. Die Umstellung auf Vollkornprodukte geht bei empfindlichen Personen manchmal mit unangenehmen Blähungen einher. In diesem Fall zunächst Vollkornnudeln und helle Nudeln mischen oder ein Brot backen, das nur zum Teil Vollkornmehl enthält. Wer Rohkost nicht so gut verträgt, erhöht dafür den Anteil an schonend zubereitetem Gemüse. Es gibt eben nicht das eine allgemeingültige Ernährungskonzept, die Ernährung muss vielmehr den individuellen Bedürfnissen und Verträglichkeiten angepasst sein. Wer im Allgemeinen auf eine ausgewogene Mischkost achtet, darf dann auch gern mal zur Pommes-Bude gehen oder den Pizzadienst kommen lassen.