Eisbaden: Ich bin dann mal weg

Ab und an kann man im Winter Gestalten sehen, die sich auf zugefrorenen Gewässern mit einer Axt zu schaffen machen. Sobald eine zwei oder drei Quadratmeter große Wasserfläche freigelegt ist, steigen diese Gestalten schnell aus ihren Klamotten – und springen ins eiskalte Wasser, um nach wenigen Augenblicken prustend und schnaubend wieder aufzutauchen und sich eilends abzutrocknen. Hinter dieser unheimlichen Begegnung der dritten Art verbirgt sich eine altehrwürdige Extremsportart, der schon unsere Groß- und Urgroßväter frönten: das Eisbaden. In milden Wintern ist das Eisbaden auch ohne Vorhandensein von Eisflächen möglich – die Wassertemperatur ist ohnehin in beiden Fällen gleich niedrig, man spart sich nur die Axt.

Eisbaden ist grundsätzlich durchaus gesund und eine sinnvolle Maßnahme zur Steigerung Ihrer Abwehrkräfte. Andererseits gibt es einige Ausschlussmomente und weitere Dinge, die Sie beachten sollten:

  • Wenn Sie auch nur ansatzweise unter Herz-/Kreislaufproblemen oder sonstigen Grunderkrankungen leiden, sollten Sie niemals ohne ärztliches OK ins eisige Nass abtauchen.
  • Eisbaden macht man niemals allein. Mindestens eine Person bleibt außerhalb des Wassers, um gegebenenfalls rettend einzugreifen. Es ist durchaus sinnvoll, für den Notfall Bergungsmittel (Leiter, Seil) in der Nähe zu haben.
  • Suchen Sie sich einen Platz in Ufernähe mit einer Wassertiefe, in der Sie stehen können. Wenn die Wasseroberfläche mit Eis bedeckt ist, begeben Sie sich also bitte nicht in die Mitte der Eisfläche, um dort Ihr Loch zu schlagen, sondern tun es einige Schritte vom Ufer entfernt. Bedenken Sie, dass es nicht immer einfach ist, aus dem Wasser heraus wieder aufs Eis und an Land zu gelangen.
  • Eisbaden ist nur dann abhärtend, wenn Sie infektfrei sind. Leiden Sie bereits unter einer Erkältung, könnte eine Runde Eisbaden Ihren Immunsystem den Rest geben und Sie richtig krank werden lassen (das gilt bekanntlich auch für Saunabesuche).
  • Nach dem Verlassen des Wassers sofort mit einem Handtuch trockenrubbeln und warme Sachen anziehen. Die Luft ist im Winter oft deutlich kälter als das Wasser.
  • Wenn Sie Eisbaden als zünftiges Vergnügen in geselliger Runde erleben möchten: Glühwein und andere Alkoholika werden unter gar keinen Umständen vor dem Eisbaden, sondern allenfalls danach genossen. Alkohol erweitert die Blutgefäße bekanntlich kurzfristig, wodurch ein Wärmeschub in die äußeren Körperbereiche gelangt und Ihnen zunächst richtig warm wird. Dieser Wärmeschub geht jedoch zu Lasten der Kerntemperatur Ihres Körpers. Folge: Ihre inneren Organe werden nicht mehr ausreichend wärmeversorgt, Unterkühlung droht. Aus diesem Grund erfrieren Betrunkene, wenn sie im Schnee umfallen oder in Winternächten im Freien einnicken, besonders schnell.