Ich lass mich nicht über den Tisch ziehen! Sich in Diskussionen nicht unterkriegen lassen
Sie kennen das: Sie wissen eigentlich ganz genau, dass Sie im Recht sind – und trotzdem kommen Sie gegen die rhetorische Dampfwalze, als die Ihr Gegenüber Sie überfahren möchte, nicht an.
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle eine kleine Trainingseinheit anbieten. die Ihnen im Umgang mit Rhetorikprofis nur bedingt, in der Abwehr von sich selbst überzeugter Alltagsrhetorikern aber sehr viel bringen kann. Es sind nur einige wenige Grundregeln, die Sie beherzigen müssen.
- Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, setzen Sie Ihr eigenes Tempo durch: Verlangen Sie von Ihrem Gegenüber, dass er Sie ausreden lässt und Ihnen genügend Zeit einräumt, Ihre Argumente darzulegen. Verlangen Sie gegebenenfalls, dass die Diskussion vertagt wird, damit Sie in Ruhe über das Thema nachdenken können. So umgehen Sie Überrumpelungsversuchen. In die nächste Runde gehen Sie gut vorbereitet mit einigen Notizen zum Thema.
- Lassen Sie sich nicht aufs Glatteis führen: Wenn Ihr Gegenüber Sie durch scheinlogische Schnellschüsse oder durch Berufung auf Ihre eigenen, aber fälschlich ausgelegten Worte zu verunsichern versucht, bremsen Sie ihn aus, indem Sie seine Denkprämissen (also die Voraussetzungen, unter denen er etwas sagt) in Frage stellen. Kontern Sie: „Das habe ich so nicht gesagt und noch weniger gemeint“. Erklären Sie dann Ihren Standpunkt erneut.
- Verlangen Sie für zentrale Argumente Ihres Kontrahenten Belege. Verunsichern Sie ihn, indem Sie seine Argumente anders auslegen als er selbst es tut. Üben Sie sich darin, ihm seinerseits das Wort im Munde umzudrehen. Zermürben Sie ihn durch Nachfragen.
- Greifen Sie die Argumente Ihres Gegenübers an: Auf der sachlichen Ebene, indem Sie seine Argumente und Belege in Frage stellen und Gegenbelege bringen. Auf der psychologischen Ebene, indem Sie ihm andere Motive unterstellen als die von ihm selbst vorgebrachten. In jeder Diskussion geht es letzten Endes um Macht – lassen Sie sich also nicht einseifen und durch vorgeschobene, womöglich edle Motive blenden. Signalisieren Sie Ihrem Kontrahenten, dass Sie seine wahren Motive durchschauen.
Damit die Diskussion nicht rein negativ verläuft (immerhin könnte es ja sein, dass auch Sie etwas erreichen möchten), bleiben Sie selbst unbedingt fair und konstruktiv. Nachdem Sie Vereinnahmungsversuche Ihres Kontrahenten erfolgreich abgewehrt haben und ihm eine Niederlage beigebracht haben, können Sie nunmehr versuchen, gemeinsame Interessen herauszustellen und auf dieser Basis zu einer Einigung zu kommen.