Dehnen – sinnvoll, überflüssig oder gar schädlich?

junge Frau macht im Freien eine DehnungsbrückeDehnen vor und nach dem Training ist für viele Wettkämpfer und Freizeitsportler eine Selbstverständlichkeit, denn Dehnen soll Verletzungen vorbeugen, die Leistung steigern und Muskelkater verhindern. Neueren Erkenntnissen zufolge trifft dieses jedoch nicht ohne Einschränkung zu. Während zwar Turner vom Dehnen profitieren, indem sie ihre Beweglichkeit deutlich verbessern, wirkt sich Dehnen bei Sportarten, die Schnelligkeit und Kraft erfordern wie z. B. Sprinten oder Basketball, eher negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Freizeitsportler dagegen dürfen ihrer persönlichen Vorliebe folgen, sie sind mit oder ohne Dehnen auf der sicheren Seite.

Dehnen – was es leistet und was nicht

junge Frau dehnt ihre HändeWährend der eine mühelos einen Spagat erreicht, fallen dem anderen schon Kniebeugen schwer: Die Beweglichkeit des Muskel-Gelenk Systems ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.  Faktoren wie die Dehnfähigkeit von Muskeln, Bändern und Sehnen aber auch Alter, Geschlecht, Außentemperatur und augenblickliche körperliche und seelische Verfassung spielen eine Rolle. Sowohl statisches Dehnen, bei dem die Dehnposition einige Zeit gehalten wird, als auch dynamisches Dehnen in Form von rhythmisch wippenden Bewegungen sollen die Beweglichkeit erhöhen. Was jedoch bei Ballett, Gymnastik, Akrobatik und Kampfsportarten durchaus von Vorteil ist, wirkt sich beim Krafttraining, bei Weit- oder Hochsprung leistungsmindernd aus. Auch Personen, die aufgrund einer hohen Beweglichkeit zum Umknicken neigen, sollten keinesfalls noch zusätzlich dehnen. Muskelkater kann man durch intensives Dehnen vor oder nach dem Sport nach neueren Erkenntnissen übrigens nicht vorbeugen. Ein gedehnter Muskel ist zwar beweglicher, aber dadurch nicht besser vor Verletzungen geschützt. Zu lange gehaltene Dehnpositionen können sogar zu Mikroverletzungen führen. Sie schränken die Durchblutung des Muskels ein und können so vor dem Sport das Aufwärmen beeinträchtigen und nach dem Sport die Regeneration behindern. Leistungssportler und Wettkämpfer brauchen also auf jeden Fall ein individuelles Aufwärm- und Dehnprogramm.

Dehnen nach Lust und Laune

junge Frau im Freien schaut zwischen ihren Beinen durchFreizeitsportler sollten ihre Trainingseinheit immer mit lockerem Aufwärmen beginnen. Da kann es schon sinnvoll sein, mit dem Rad statt mit dem Auto zum Joggen zu fahren. Wer Dehnen als angenehm empfindet, der sollte es tun, für den Freizeitsportler birgt es kaum Risiken. Vielen hilft ein Dehnen vor dem Sport, vom Alltag abzuschalten und sich auf den Körper zu konzentrieren. Danach fällt die Laufrunde einfach leichter. Nach dem Sport trägt Dehnen häufig zur Entspannung bei. Gerade nach einer langen Laufrunde tut es gut, die stark beanspruchte Wadenmuskulatur zu dehnen. Für manchen bedeutet Dehnen Entspannung pur, sie recken und strecken sich wohlig wie eine Katze und können sich nichts Schöneres vorstellen. Wer allerdings Dehnübungen schon immer widerwillig mitgemacht hat, kann in Zukunft getrost darauf verzichten, denn sie bringen in diesem Fall keine Entspannung, sondern zusätzlichen Stress.