„Was du heute kannst besorgen…“ – „Ach, das kann ich auch noch morgen!“. Oder doch nicht?
Eigentlich gilt es, für schwierige Prüfungen zu lernen, wichtige Telefonate zu führen oder tiefgreifende Entscheidungen zu fällen. Das sind oft unangenehme, aber notwendige Arbeiten, die erledigt werden müssen. Aber morgen ist doch auch noch ein Tag. Außerdem sollte ich das Problem besser topfit angehe. Es ist doch so schönes Wetter. Und geputzt werden müsste hier auch mal wieder. Oder?
Diagnose: Prokrastination
Es gibt Menschen, die unangenehme Sachen sofort erledigen, damit sie sie hinter sich haben. Und es gibt Menschen, die solche Dinge oft tage- oder wochenlang vor sich herschieben und sich zunächst einmal mit vergleichsweise angenehmeren und einfacheren Aufgaben beschäftigen. In Einzelfall sicher kein Problem.

Tritt dieses Verhalten jedoch öfter auf, sollte man sich intensiv mit seiner Prokrastination, im Volksmund auch „Aufschieberitis“ genannt, auseinandersetzen. Um das Problem zu lösen, müssen Sie es sich zunächst einmal aber eingestehen. Und darin liegt oft schon die erste Klippe: Man redet sich leicht ein, dass gewisse andere Dinge eben auch nicht aufgeschoben werden dürfen. Vergleichsweise unwichtige Angelegenheiten bekommen so im Handumdrehen eine unverdient hohe Priorität, während die eigentlichen Aufgaben in ihrer Wichtigkeit herabgestuft werden. Das vermeintlich Essentielle (Fensterputzen, Müll rausbringen, neue Zahnbürste kaufen) wird konsequenterweise nun zuerst erledigt – aber Aufschieberitis? Ich? Niemals, ich bin nur gerade mit was anderem beschäftigt. Und für die wirklichen Aufgaben bleibt dann einfach keine Zeit mehr. Oder man sieht die Situation so: Es ist eine sehr wichtige Aufgabe, also will ich auch topfit und ausgeschlafen sein, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. – Hm, heute fühl ich mich aber eigentlich ein bisschen schlapp und müde, doch morgen nach dem Aufstehen mach ich mich gleich ans Werk. Und wieder ist ein Tag vergangen. „Gründe“ für ein Aufschieben sind immer schnell gefunden.
Ausweg: Manchmal hilft nur der Gang zum Therapeuten
In vielen Fällen lässt sich das Problem mit einem vernünftigen Zeitmanagement in den Griff bekommen. Wenn man sich genau aufschreibt, wann man was zu machen hat, sind die Prioritäten von vorn herein klar bestimmt. Und es gibt keinen Grund mehr, dem einen etwas anderes vorzuziehen. Gelingt Ihnen dies nicht, ist es ratsam, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Die Behandlung ist nicht einfach, dennoch notwendig. Denn die Prokrastination kann durchaus dramatischen Folgen haben: Zwischenmenschlichen Beziehungen leiden unter nicht mehr wahrgenommenen Verabredungen oder sonstigen Vernachlässigungen, die aus der Aufschieberitis resultieren. Oder das ständige Aufschieben wichtiger Aufgaben führt zu beruflichen und finanziellen Schwierigkeiten. Das wiederum kann zu Ängsten oder Depressionen führen. Die Therapie macht es wieder möglich, Vorhaben zeitnah umzusetzen oder sich von unsinnigen Zielen zu verabschieden. Sie hilft dabei, sich bewusst zu werden, wo die eigentlich Aufgaben liegen.
Lesetipp:
- Hans-Werner Rückert „Schluss mit dem ewigen Aufschieben“, 17,90 Euro